Vor kurzem noch forderte US-Handeslminister Gary Locke im südchinesischen Guangdong ganz vorsichtig, den Yuan schrittweise anzuheben: "Wir denken in diesem Bereich sollte es Fortschritte geben." Locke sagte das vor allem im Hinblick auf den Antrittsbesuch von US-Präsident Barack Obama am kommenden Wochenende in Peking. Doch seine Forderung wird verhallen, China wird sich nicht bewegen. In diesem Punkt ist Jiang Jianjun vom chinesischen Handelsministeriums deutlich. "Solange die Exporte nicht anziehen, wird der Wechselkurs nicht groß verändert."

Chinesische Spitzendiplomaten sprechen bereits von einer "geteilten Weltwährung" aus Yuan und US-Dollar. Denn was immer mit dem US-Dollar passiert, der chinesische Yuan folgt ihm auf dem Fuße. Zwar hatte die chinesische Zentralbank den Yuan von 2005 bis Juli 2008 um 21 Prozent gegenüber den US-Dollar steigen lassen. An den wachsenden Handelsbilanzüberschüssen Chinas, vor allem gegenüber den Vereinigten Staaten, hat das nur wenig geändert. Im Juli vergangenen Jahres – kurz vor dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise – war dann Schluss mit dem Experiment. Seither hat sich der Yuan nicht ein Prozent von seinem großen Bruder wegbewegt.

Für China hat das Vor- und Nachteile. Einerseits verliert der in US-Dollar angelegte Teil der Devisenreserven von inzwischen 2,27 Billionen Dollar stetig seinen Wert. Andererseits bedeutet die US-Dollar-Yuan-Schwäche frischen Wind für Chinas Wirtschaft. Die asiatische Konkurrenz wird teurer.

Seit seinem Höchststand im März sind der US-Dollar und damit auch der Yuan um gut 24 Prozent gegenüber dem südkoreanischen Won gefallen. Immerhin noch zehn Prozent sind es bei dem Singapur-Dollar und dem malayischen Ringgit. Und noch gut neun Prozent beim thailändischen Baht. Das heißt: Jedes Produkt aus diesem Land, das in China oder den USA verkauft wird, ist um den entsprechenden Prozentsatz teurer geworden. Die chinesische Führung kann sich also entscheiden, zwischen den nicht realisierten Verlusten bei den Devisenreserven und dem realen Zuwachs an dringend benötigten Exportaufträgen. Keine Frage, wofür sie sich entscheiden.

Für die Chinesen ergibt das derzeit sogar doppelt Sinn. Der Anreiz, Produktionen in die US-Dollar-Sphäre zu verlegen, um das Währungsrisiko abzufedern, steigt nun wieder für asiatische und europäische Hersteller. Wer in China für den amerikanischen Markt produziert, hat kaum Währungsrisiko für die USA und den wichtigsten Wachstumsmarkt, lautet das chinesische Versprechen. Der neuerliche Anstieg der Auslandsinvestitionen zeigt deutlich, dass diese Rechnung für China aufgeht. Im Juli und August waren es schon wieder 12 Milliarden US-Dollar mehr Investitionen. Auch sonst stehen die wirtschaftlichen Zeichen bestens. Trotz 15 Prozent Exporteinbruch konnte es sich die chinesische Führung leisten, die Devisenreserven im dritten Quartal diesen Jahres um 141 Milliarden US-Dollar zu erhöhen, ohne dass dies zu sozialen Spannungen in dem Riesenreich führte.

Die Zeche zahlen gegenwärtig die Europäer und die Asiaten. Die Europäer sind sich nicht einig, wie man darauf reagieren soll. Und selbst die Asiaten schließen sich nicht zusammen, um womöglich sogar gemeinsam mit den USA Druck auf China auszuüben.