Müller: Das ist einer von mehreren Faktoren. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist richtig und wichtig. Mehr als 1000 Unternehmen in unserem Verband sind auf diesem Feld aktiv. Der Erfolg des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) wirkt sich aber auf den Preis aus. Das muss offen gesagt werden können. Bei der EEG-Umlage steigen die Kosten an. Ein Haushalt wird dafür ab 2010 statt bisher 3,50 Euro fast sechs Euro im Monat bezahlen. Dazu kommen noch die teilweise sehr unterschiedlichen Netzgebühren. Auch sie hängen unter anderem mit den Erneuerbaren zusammen. Es sind erhebliche Investitionen erforderlich, um Regenerative an die Netze anzuschließen. Alles in allem ergibt sich der Preis also aus verschiedenen Faktoren, mit einem zunehmenden Gewicht der Erneuerbaren.

Frage: Anfang des Jahres haben Sie geglaubt, zum Jahresende könnte es Preissenkungen geben. Nun passiert das Gegenteil.

Müller: Der Markt hat sich seitdem verändert. Das Bild ist uneinheitlich: Von den 1100 Stromversorgern erhöhen zum Jahreswechsel rund 100 die Preise. Die meisten halten die Preise aber stabil, ein anderer Teil reduziert auch. Diese Unternehmen haben womöglich zu anderen Zeiten an der Strombörse eingekauft oder andere Netzgebühren. Eine weiterer Punkt hängt mit der Krise zusammen: Die Stromnachfrage geht insgesamt zurück, dadurch steigt der Anteil der erneuerbaren Energien. Und da EEG-Strom teurer ist, steigen die Durchschnittspreise.

Frage: Der Ruf der Branche ist angeschlagen: Abzocker, die ihre Marktmacht nutzen, Umweltverschmutzer, unfähige AKW-Betreiber. Kommt die Energiebranche gar nicht mehr aus diesem Imageloch?

Müller: Preisdiskussionen sind immer schwierig. Aber die Branche wird noch offener und präziser die Zusammenhänge erläutern. Ich wünsche mir zum Beispiel, dass die Politik und die Öffentlichkeit das Thema Erneuerbare ein bisschen mehr mitverantworten. Jetzt macht sich mancher einen schlanken Fuß, wenn er sagt, die Erneuerbaren spielten keine Rolle bei der Preisbildung. Dabei hatte das EEG das Ziel, die Entwicklung der Erneuerbaren als Beitrag zum Klimaschutz voranzutreiben, was den Strom natürlich verteuert.

Frage: Sie erwarten nicht, dass die Erneuerbaren im Jahr 2050 den Strombedarf komplett decken. Warum so skeptisch?

Müller: Die Energiewirtschaft glaubt, dass bis 2020 ein Anteil der Erneuerbaren von 30 Prozent erreichbar ist. Und 2050 wollen wir eine kohlenstoffneutrale Stromerzeugung haben. Doch es muss klar sein: Allein mit Erneuerbaren werden wir die kommenden Jahre nicht klarkommen. Wir müssen für diese Übergangszeit vernünftig über den Mix konventioneller Energieerzeugung reden. Aber dieses Land führt bedauerlicherweise keine sachliche und offene Diskussion darüber, wie es mit Kohle-, Gas- und Kernenergie im Ergänzungsmix zu den Erneuerbaren aussieht.