Worum geht es in Kopenhagen? ZEIT ONLINE greift die wichtigsten Punkte der Agenda auf. Nach und nach entsteht so ein kleines Glossar. Diesmal: Was kostet Klimaschutz überhaupt? Zuvor erschienen: Wie positionieren sich die Unterhändler? Und: Über welche Ziele wird eigentlich verhandelt?

100 Milliarden Euro für Schwellen- und Entwicklungsländer

Der Klimawandel ist auch ein Geschäft: Banken, Börsen und Wertpapierhändler können am Handel mit Emissionszertifikaten und anderen Verschmutzungsrechten gut verdienen. Manch ein Ökonom sieht hier schon die nächste Spekulationsblase entstehen. In Kopenhagen geht es aber um andere Gelder: Ab dem Jahr 2020 sollen die Industrieländer rund 100 Milliarden Euro jährlich bereitstellen, um die Entwicklungsländer in ihrem Bemühen zu unterstützen, die Emissionen zu senken und sich dem Klimawandel anzupassen. Das sagt die Europäische Union; andere Berechnungen liegen etwas höher. Deutschland müsste etwa sechs bis sieben Milliarden Euro pro Jahr zahlen.

Dass die Reichen den Armen helfen, den Wandel zu bewältigen, ist gar nicht mehr umstritten, sondern wurde grundsätzlich schon 1997 beschlossen. In der Praxis hatte der Beschluss jedoch kaum Bedeutung. Ob es jetzt in Kopenhagen zu einer Einigung kommt, hängt sehr stark von der Bereitschaft der reichen Staaten ab, zu zahlen. Schwellenländer wie China wollen anders lautende Beschlüsse nicht akzeptieren. Denn der Klimawandel, der vor allem von den Industrieländern verursacht wurde, trifft die Entwicklungsländer besonders hart. Die Industrieländer ihrerseits wollen die Klimahilfen mit bereits jetzt existierenden Entwicklungshilfebudgets verrechnen und zudem die Kontrolle über die Gelder behalten.

Eine Einigung über die Zahlungen von Reich an Arm zu erzielen, wird wohl nicht einfach sein. Schließlich umfasst die gesamte weltweite Entwicklungshilfe derzeit etwa 86 Milliarden Euro. Man wird also versuchen müssen, neue Geldquellen aufzutun, um den Klimaschutz zu finanzieren. Denkbar wäre, sagen Ökonomen, eine globale Steuer auf den internationalen Schiffs- und Flugverkehr oder ein internationaler Emissionshandel, der nicht auf kostenlos vom Staat zugeteilten Verschmutzungsrechten basiert, sondern auf käuflich erworbenen Zertifikaten.

Darüber hinaus werden auch die Industrieländer Geld in die Hand nehmen müssen, um sich an die Erwärmung anzupassen. In Deutschland zum Beispiel wird es wegen heißerer Sommer künftig wohl schwieriger werden, Kohle- und Atomkraftwerke durch Flusswasser zu kühlen, erwarten Forscher des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig.

An Nord- und Ostsee müssen die Küsten besser gegen den Anstieg des Meeresspiegels und etwaige Sturmfluten geschützt werden. Sehr wahrscheinlich werden die Flüsse häufiger Hochwasser führen, zugleich werden die Sommer trockener, was Land- und Forstwirtschaft zur Anpassung zwingt. Durch das insgesamt wärmere Klima könnten sich bestimmte Krankheiten leichter ausbreiten. Auch die Zahl von Allergien dürfte zunehmen. All das verursacht Kosten – welchen Anteil davon der Staat tragen muss, ist noch völlig unklar.

Dennoch gibt es Schätzungen darüber, wie viel Geld insgesamt nötig sein wird, um Industrie- und Entwicklungsländer gegen den Klimawandel zu rüsten. Der Internationalen Energieagentur zufolge müssen bis zum Jahr 2030 mehr als zehn Billionen Dollar investiert werden. Das ist viel Geld. Doch jedes Jahr, das die Menschheit jetzt zögere, koste weitere 500 Milliarden, sagt die Agentur.