Nur langsam kämpft sich die deutsche Wirtschaft aus der Rezession, mit vorsichtigem Optimismus blicken Arbeitgeber wie Arbeitnehmer nach vorn. Banker sind da weitaus zuversichtlicher, sie verdienen bereits wieder Millionen an den Finanzmärkten. Das Geld für die Spekulationen kommt von den Zentralbanken: Wegen der Finanzkrise hatten sie weltweit ihre Leitzinsen auf historisch niedrige Niveaus heruntergeschraubt.

Die Überschwemmung der Finanzmärkte mit solch billigem Geld beunruhigt nicht nur Ökonomen, sondern auch die Politik. So warnte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor einer neuen Spekulationsblase. Ein "Weiter so" dürfe es nicht geben, es sei zu viel Geld unterwegs, das heize die Spekulationslust an. Ansonsten könnten schärfere Regeln für Finanzkonzerne auf der Strecke bleiben.

Nun gelte es, die großen Geldmengen, die am Kapitalmarkt Grundlage für Spekulationen sind, wieder in die Wirtschaft hineinzubringen. Merkel forderte international abgestimmte "Exit-Strategien" für den Ausstieg aus den staatlichen Hilfsprogrammen. "Nach der Krise muss es gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle geben", sagte die Kanzlerin am Dienstag in Berlin. Es dürfe nicht passieren, dass die USA sich abschotteten, um dann wie ein Phoenix aus der Asche zu kommen.

Auch sei Deutschland noch längst nicht überm Berg. "Wir befinden uns auf extrem labilem Grund", sagte Merkel und kündigte weitere politische Maßnahmen an. So will die Koalition das Kurzarbeiter-Angebot um ein Jahr bis Ende 2010 verlängern, damit Unternehmen ihre Fachkräfte halten können. Die Kanzlerin sprach auch die schwierigen Bedingungen am Kreditmarkt an. "Wir haben heute entweder eine Kreditklemme oder sehr, sehr schwierige Kreditbedingungen."

Die Wirtschaft sorgt sich ebenfalls um die Finanzierung des beginnenden Aufschwungs. Denn mit der einsetzenden Erholung steigt auch die Nachfrage der Wirtschaft nach Krediten. Allerdings sind die Banken wegen der Finanzkrise noch immer mit ihren eigenen Büchern beschäftigt. "Ich sehe die Gefahr einer breiten Kreditklemme für große Teile der deutschen Wirtschaft", warnte deshalb Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Seiner Ansicht nach hätten sich die Finanzierungsprobleme bei vielen Unternehmen schon jetzt "dramatisch verschärft".

Hundt forderte weitere staatliche Hilfen, damit die Banken hinreichend Darlehen bereitstellen könnten. Dies lehnt Merkel allerdings ab, ebenso wie die Idee ihres Wirtschaftsministers Rainer Brüderle, die staatliche Förderbank KfW zu einer Hausbank für den Mittelstand zu machen. "Das würde die KfW überfordern", sagte die Kanzlerin und forderte mehr Mut der Hausbanken. Der Staat helfe bei Krediten, wo er könne. Zu 100 Prozent könne der Bund die Risiken aber nicht übernehmen.

Die Kanzlerin betonte, die Regierung sei mit dem Deutschlandfonds den richtigen Weg gegangen. Sie wisse aber, dass die Bearbeitung zum Teil lange dauere und die Banken nur zögerlich Anträge stellten. Deshalb gehe man nun dazu über, Globaldarlehen der KfW an die Banken zu vergeben, die sie an ihre Kunden weiterreichen sollten.

Die Finanzierungsprobleme sind auch Thema des Krisengipfels am 2. Dezember im Kanzleramt. Dann will die Kanzlerin mit Vertretern von Banken, Firmen und Gewerkschaften über die Bewältigung der aktuellen Krise beraten.