Es war eine unangenehme Tour für Barack Obama. Seine Reise durch Asien hat ihm einmal mehr gezeigt, dass er zu einem ziemlich ungünstigen Zeitpunkt Präsident geworden ist. Gegen die ungeheuren Zwänge, die Amerikas wirtschaftliche Schwäche und Chinas neue Stärke ihm auferlegen, wirkt selbst sein außerordentliches Charisma wie das morgens aufgetragene Rasierwasser am späten Nachmittag. Seine erfrischende freiheitliche Überzeugungskraft konnte der amerikanische Präsident kaum einmal ausspielen. In Asien zweifelt man an den USA.

Spätestens auf dieser Reise dürfte Obama verstanden haben, dass verlässliche Werte zwar einerseits den Erfolg von wirtschaftlichem Handeln bestimmen – dass aber andererseits auch das Gegenteil gilt: Wer die wirtschaftliche Kraft hat, bestimmt auch, welche Werte zum Zuge kommen. Und bei der Wirtschaftskraft schwächeln eben just die Amerikaner.

Schon während des Asien-Pazifik-Gipfels stellte sich heraus, was in Asien gemeinhin gedacht wird: Das amerikanische Wachstumsmodell ist gescheitert; die USA sollen jetzt erst einmal ihre Hausaufgaben machen; derweil verlassen wir Asiaten uns mehr auf uns selbst. Chinas Staatspräsident Hu Jintao sprach in Singapur davon, dass man die Probleme der Weltwirtschaft nur lösen könne, wenn man sie "an ihren Wurzeln packt" – und meinte damit vor allem Amerika. Die Welt könne sich nicht darauf verlassen, fügte der singapurische Ministerpräsident Lee Hsien Loong hinzu, dass "die Mischung aus amerikanischem Konsum, hohen Schulden und chinesischem Export noch der Motor der Weltwirtschaft sein kann". Das seien "alte Formeln. Die Zukunft sieht anders aus."

Barack Obama blieb denn auch wenig anderes übrig, als offenherzig einzuräumen, dass "Wachstum auf Pump langfristig den Wohlstand Amerikas nicht erhalten kann".
Seinen Mitarbeitern gelang es nicht einmal, die wichtigste diplomatische Spitze der Amerikaner gegen die Chinesen ins Abschlusskommuniqué zu schreiben. Dass man "marktwirtschaftlich orientierte Wechselkurse" anstreben solle, wurde flugs gestrichen. China lässt sich in sein Wechselkursregime nicht reinreden. Und eine Einigung im Vorfeld des Klimagipfels im Dezember in Kopenhagen, eines der wichtigsten Themen auf Obamas politischer Agenda, wurde von den Asiaten mit der Begründung vertagt, dies sei "nicht der richtige Ort dafür".

In Shanghai, Obamas erster Station in China, wurde es nicht besser. Als der amerikanische Präsident 500 Studenten in einer Halle Rede und Antwort stand, tänzelte er verbal, wie einer, der auf seine Chance wartet, einen Punkt zu machen. Heikle Themen wie Tibet und Taiwan sprach er nicht direkt an, obwohl das chinesische Fernsehen die Fragestunde nicht live übertrug – wie eigentlich erhofft. Als er beispielsweise gefragt wurde, warum die USA Waffen nach Taiwan lieferten, wich er gar aus, bekräftigte die Ein-China-Politik und freute sich, dass Taiwan und "der Rest, äh die Volksrepublik" nun enger zusammenarbeiten.

Dann brachte Obama die neue – wirtschaftlich geerdete – Vernunft auf den Punkt. Es sei sehr wichtig für Amerika, nicht anzunehmen, "dass das, was für uns gut ist, auch für andere gut ist. Aber", sagte er, "wir glauben, dass bestimmte Grundprinzipien für alle Menschen gelten, egal welcher Kultur sie angehören."

Mehr Spielraum hat ein amerikanischer Präsident nicht, wenn er bei seinem größten Gläubiger zu Besuch ist.