Es ist ein globaler Wettskandal: Rund 200 Fußballspiele stehen unter Manipulationsverdacht, darunter drei Champions-League-Spiele und zwölf Partien der Europa-Liga. Außerdem wurden Begegnungen in Österreich, Kroatien, Ungarn, der Türkei und der Schweiz verpfuscht.

So international wie der Wettskandal ist inzwischen auch der Wettmarkt. Im Netz können Zocker jederzeit und an jedem Ort Geld auf Fußballspiele setzen – auch auf laufende Partien. Selbst riskante Wetten auf die nächste rote Karte oder das nächste Tor sind mittlerweile möglich.

In Deutschland ist das eigentlich verboten. Denn hierzulande sind private Sportwetten untersagt. Deutschlands Politiker dulden nur einen Akteur: Den staatlich lizenzierten Wettanbieter Oddset, dessen Wettscheine in den Lotto-Annahmestellen abgegeben werden müssen. Dieses Monopol sichert der bis 2011 geltende Glücksspielstaatsvertrag. Lediglich Pferdewetten sind privaten Anbietern erlaubt. "Damit werden alle anderen Anbieter an der Geschäftsausübung in Deutschland gehindert", sagt Martin Oelbermann, Wettmarktforscher von MECN.

Doch das Monopol existiert in Wahrheit nur auf dem Papier. Denn deutsche Kunden können im Internet ungehindert zocken, dort boomt der Sportwettenmarkt. Einsätze und Risiken sind im Netz höher, das macht die Angebote für Wettfans attraktiv: Branchenexperten schätzen den Wett-Umsatz im Internet für Deutschland auf mehr als zwei Milliarden Euro. Die Forschungsstelle Glücksspiel veranschlagt für den Monopolisten Oddset hierzulande nur noch einen Marktanteil von zehn Prozent. Alle anderen Geschäfte laufen nach derzeitigem deutschem Recht illegal ab.

In den vergangenen zwei Jahren hat die deutsche Politik den Glücksspielstaatsvertrag sogar verschärft: Strafbar macht sich jetzt sogar der, der Sportwetten vermittelt. Dadurch flüchteten in den letzten vier Jahren 3200 private Wettanbieter in Steueroasen  – und damit in eine rechtliche Grauzone. Sie arbeiten weiter für deutsche Kunden, fernab von Kontrollen. Zuletzt verschwand vor wenigen Wochen der Sportwetten-Anbieter Bwin aus Deutschland, weil ihm hier ein Zwangsgeld in Höhe von 100.000 Euro droht. Bwin hat seinen Firmensitz nun auf die Halbinsel Gibraltar im Süden Spaniens verlegt. Das Unternehmen entzieht sich damit dem deutschen Recht.

Bisher rechtfertigen die deutschen Bundesländer das Monopol mit der Gesundheit der Bürger. Die Ministerpräsidenten wollen "das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht verhindern und die Vorraussetzungen für eine wirksame Suchtbekämpfung schaffen." In Wahrheit geht es den Länderchefs aber vor allem ums Geld: Denn die Einnahmen der staatlichen Lotteriegesellschaften fließen etwa in Bayern, Hamburg und Sachsen direkt in den allgemeinen Landeshaushalt. In guten Jahren füllten sich so die Länderkassen. Um die Jahrtausendwende verbuchte der staatlich geduldete Anbieter Oddset noch mehr als 500 Millionen Euro Umsatz. Seit die Konkurrenz im Netz jedoch wächst, sinken die Erträge drastisch. Oddset-Chef Erwin Horak peilt in diesem Jahr einen Umsatz von 200 Millionen Euro an.