Inzwischen freuen sich Naturschützer über die neue Vielfalt in Seen und Flüssen. Schwappte dort früher eine trübe Suppe, haben sich heute viele Gewässer dank Kanalisation und dem Aus für Industrieeinleitungen erholt. Selbst in der Elbe haben sich zahlreiche Fischarten wieder angesiedelt, im Sommer lädt sie zum Bad ein.

Die Wende bedeutete auch das Aus für den Uranabbau bei Gera und Ronneburg. Mehrere Milliarden Euro wurden seitdem in die Sanierung der strahlenden Abbauhalden und Lagerstätten der Wismut investiert. Vor zwei Jahren fand dort sogar die Bundesgartenschau statt. Und die ehemaligen Truppenübungsplätze des Sowjetmilitärs erweisen sich im Nachhinein als Glück für den Naturschutz. In den ehemaligen Sperrgebieten konnte sich die Natur und Tierwelt ungestört ausbreiten, die größten Bibervorkommen und Seeadler-Kolonien Deutschlands gibt es in den neuen Bundesländern.

Der rund 1400 Kilometer lange, ehemalige Grenzstreifen zwischen Ost und West ist inzwischen ein riesiges Naturschutzprojekt der Deutschen Einheit, eine lange Kette geschützter Biotope mit Sümpfen, Weiden und Wäldern. Und selbst der Ökolandbau hat in Ostdeutschland einen überdurchschnittlich hohen Flächenanteil.

Doch nicht alles ist perfekt gelaufen. Früher landete jede Glasflasche in der DDR in einem Mehrwegsystem – heute ist das unvorstellbar. Der BUND ist vor allem von der Verkehrspolitik enttäuscht. Gerade Strecken wie die umstrittene Ostseeautobahn A20 oder die A14 halten Naturschützer für vollkommen überdimensioniert. "Die rasante Zunahme des Individualverkehrs hat dazu geführt, dass der öffentliche Personennahverkehr völlig vernachlässigt wurde", sagt Rosenthal. Auch den Güterverkehr sähe er lieber auf der Schiene als auf der Straße. "Zu DDR-Zeiten wurden 80 Prozent des Güterverkehrs auf der Schiene abgewickelt und 20 Prozent auf der Straße", sagt er, "heute hat sich das Verhältnis umgekehrt."

Am spannendsten ist wohl die Entwicklung der erneuerbaren Energien in Ostdeutschland. In Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern produziert eine der größten Biogasanlagen der Welt. Und auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose in Brandenburg steht seit Ende des Jahres eines der größten Sonnenkraftwerke Deutschlands.