Die Mehrzahl der G-20-Staaten habe zwar seit 2000 ihre CO2-Emissionen relativ gesehen zur Wirtschaftsleistung senken können, absolut betrachtet habe sich die Welt in den vergangenen zehn Jahren jedoch weiter von einem nachhaltigen Emissionsniveau entfernt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die am Dienstag in Frankfurt am Main vorgestellt wurde.

Zwei von PwC entwickelte Indizes zeigen auf, welche Fortschritte die G-20-Staaten seit 2000 bei der Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen gemacht haben ("Low Carbon Achievement Index") und wie weit die Wegstrecke bis zu einem nachhaltigen Emissionsniveau noch ist ("Low Carbon Challenge Index"). Während Deutschland im Achievement-Index besser abschneide als die meisten anderen Staaten, liege es im Challenge-Index zurück, heißt es in der Studie.

Vor dem Hintergrund seiner hohen Wirtschaftsleistung müsste Deutschland die CO2-Emissionen, die pro erwirtschaftetem Bruttoinlandsprodukt anfallen ("Carbon Intensity"), bis 2050 um fast 90 Prozent senken. Damit stehe die deutsche Wirtschaft vor größeren Herausforderungen als die meisten anderen Volkswirtschaften der 20 größten Industriestaaten (G 20). Im Durchschnitt müssten sie ihren CO2-Ausstoß in Relation zur Wirtschaftsleistung um 85 Prozent senken.

Global müsse die "Carbon Intensity" bis 2020 um 35 Prozent sinken, um die Erderwärmung langfristig zu begrenzen, heißt es in der Studie. Dies sei nur zu erreichen, wenn sich die führenden Industrienationen – USA, China, Indien und die EU – schnell auf verbindliche Emissionsziele einigen. "Je länger die Regierungen zögern, desto schwieriger und schmerzhafter wird es, den Rückstand aufzuholen. Der Gipfel von Kopenhagen muss daher zumindest eine Einigung auf mittelfristige Emissionsbudgets bringen", sagte Alfred Höhn von PwC.

Laut einer Studie der Fraunhofer-Gesellschaft von der EU-Kommission in Auftrag gegeben, könne Europa es schaffen seine klimaschädlichen Treibhausgase bis Mitte des Jahrhunderts um 80 Prozent zu senken. Bis 2050 ließen sich die Emissionen auf 20 Prozent des Werts von 1990 drosseln (1990 ist das Bezugsjahr des Kyoto-Klimaprotokolls), heißt es darin. Damit sei es "technisch und wirtschaftlich umsetzbar", den weltweiten Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu beschränken, wie vom Weltklimarat angeraten, berichtete das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) am Dienstag in Karlsruhe.

Die Autoren der Fraunhofer-Studie betonten, um eine Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf zwei Grad zu erreichen, müsse ein Preis für Emissionen festgelegt werden. Das reiche jedoch nicht aus, erläutern die Projektleiter Eberhard Jochem und Wolfgang Schade. Ein "breites Portfolio" an politischen Maßnahmen müsse neue klimafreundliche Technologien auf den Markt bringen und Verhaltensänderungen in der Gesellschaft bewirken. Eine globale Erwärmung um durchschnittlich zwei Grad gilt nach dem jüngsten Weltklimabericht gerade noch als vertretbar.