Am Freitag, den 4. Mai 2007, verschwand das kleine Städtchen Greensburg in Kansas von der Landkarte. Ein Tornado fegte über die amerikanische Kleinstadt hinweg, neun Menschen starben. Der Sturm zerstörte 95 Prozent aller Gebäude. Doch die 1500 Einwohner nutzten anschließend die Chance, ihre Stadt radikal neu auszurichten und als erste Ökostadt Amerikas wiederaufzubauen. Seither versuchen die Greenburger, ihren Ort unabhängig von Öl, Gas und Kohle zu machen.

Das Städtchen ist auf dem besten Weg, das selbst gesteckte Ziel zu erreichen. Die Schule und das Rathaus erreichen höchste Energieeffizienzstandards, Regenwasser wird zu Trinkwasser aufbereitet, und ihre Wohnzimmer heizen die Einwohner mit Erdwärme. Eine eigene Windfarm versorgt die Stadt mit Strom. Das Motto der Bürger lautet inzwischen: "Der Wind nahm es – und kann es uns auch zurückgeben."

Es muss nicht immer ein Tornado daherkommen, bis Städte ihre Energieversorgung auf Erneuerbare Energie umstellen. Auch ohne Katastrophen haben Metropolen und Kleinstädte weltweit erkannt, dass sich Investitionen in alternative Energien rechnen. Das zeigt eine neue Studie der Internationalen Energieagentur (IEA). Das Papier stellt 13 Städte vor, die den Schritt zur Energiewende gewagt haben. "Städte, die erneuerbare Energien forcieren, können eine entscheidende Rolle auf dem Weg zur Reduzierung der Treibhausgase, zu Energiesicherheit und nachhaltiger Entwicklung spielen", sagt der Chef der Agentur, der Japaner Nobuo Tanaka.

Die Studie will zudem ein Leitfaden für Bürgermeister sein, die den Vorreitern folgen wollen. "Bislang nehmen noch viel zu wenige Städte die Herausforderung an, lokal auf erneuerbare Energien zu setzen", sagt Tanaka. "Bürgermeister haben es in der Hand, den nationalen Regierungen den Weg in die Zukunft zu zeigen." Der Bürgermeister von Seattle, Greg Nickels, wurde mit seiner lokalen Klimaschutz-Initiative vor einigen Jahren weltweit bekannt.

Städten könnte in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle beim Aufbau klimafreundlicher Energiesysteme zukommen. Schon heute lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in den Ballungszentren. Rund 70 Prozent aller globalen Treibhausgasemissionen entstehen in Städten. Dort wird besonders viel geheizt, Energie verbraucht, Auto gefahren, gewirtschaftet.