Alle Welt blickt in diesen Tagen nach Kopenhagen, während vor zwei Wochen kaum etwas aus Genf zu hören war, wo immerhin die 7. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) stattfand. Wird also die Handelspolitik in der öffentlichen Wahrnehmung von der Klimapolitik überlagert, vielleicht sogar ganz abgelöst, wie sich manche Umweltaktivisten schon klammheimlich freuen?

Gemessen an der Aufmerksamkeit der Medien ist dies offenbar der Fall. Nach der Finanzkrise von 2008 zeichnet sich ein weltweiter Konsens ab: Der Finanzsektor muss effektiver reguliert, wenn nicht gar zurückgestutzt werden, damit es nicht zu neuen Finanzkrisen mit womöglich noch dramatischeren Folgen für die Realwirtschaft und die Arbeitsplätze kommt. Vor allem internationale Transaktionen sollen effektiver kontrolliert und besteuert werden. Für den internationalen Handel gilt jedoch genau das Gegenteil: Um die Weltwirtschaftskrise zu überwinden, wäre eine Befreiung der Realwirtschaft in ihren internationalen Geschäften aus der Kreditklemme vonnöten.

Die Erfahrungen der 1930er Jahre zeigen bekanntlich, dass die damalige Finanzkrise durch den Versuch aller Länder, die Krisenfolgen durch immer höhere Zölle und Währungsabwertungen von sich auf andere abzuwälzen, schließlich im völligen Zusammenbruch des Welthandels und einer anhaltenden Depression endete. Sie wurde erst durch den wie ein international abgestimmtes Konjunkturprogramm wirkenden Rüstungswettlauf in Vorbereitung und während des Zweiten Weltkriegs endgültig überwunden.

Nach dem Krieg sollte ein Rückfall in Handels- und Währungskriege, die über die Massenarbeitslosigkeit in Deutschland und die Machtergreifung der Nationalsozialisten am Ende zum Zweiten Weltkrieg geführt hatten, vermieden werden. Zu diesem Zweck wurden 1944 in Bretton Woods ein Internationaler Währungsfonds (IWF) sowie eine Weltbank gegründet und die ersten Schritte zu einem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) getan.

Bei aller Kritik an den vielen Unzulänglichkeiten der Nachkriegsweltwirtschaftsordnung hat sie sich doch in allen bisherigen Krisen bewährt und eine erneute Depression verhindert. Allerdings lassen sich in den heutigen Krisenabwehrmaßnahmen vieler Regierungen mehr oder weniger versteckte protektionistische Tendenzen erkennen. Daher sollten die Regierungen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G 20) endlich ihre wiederholten Ankündigungen wahr machen und die Doha-Entwicklungsrunde rasch zum Abschluss bringen. Damit würde die WTO als Bollwerk gegen Protektionismus und nationalistische Wirtschaftspolitik gestärkt.

Danach könnten endlich aktuelle Themen wie "Handel und Klimawandel" im Rahmen der WTO bearbeitet werden. Der Zusammenhang von Welthandel und Klimawandel lässt sich unter den beiden – Klimapolitikern wohl vertrauten – Gesichtspunkten Adaptation und Mitigation aufschlüsseln. Es geht um die Doppelfrage, welche Rolle der Welthandel bei der Anpassung (Adaptation) an die Folgen eines nicht mehr aufzuhaltenden Klimawandels spielen kann und inwieweit die Handelspolitik als Instrument zur Vorbeugung und Abwehr des Klimawandels (Mitigation) eingesetzt werden kann.

Hier sei zum Thema Anpassung darauf hingewiesen, dass der Klimawandel aller Voraussicht nach die Landwirtschaft der ärmeren Entwicklungsländer in den tropischen Regionen am stärksten beeinträchtigen wird. Damit werden ausgerechnet diejenigen Länder am meisten unter dem Klimawandel zu leiden haben, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Gleichzeitig werden sich die Bedingungen für die Landwirtschaft in anderen Weltregionen, vor allem in den nördlichen Breiten, durch die Erderwärmung erst einmal verbessern.