Das US-Repräsentantenhaus hat die tiefgreifendste Reform der Finanzbranche seit Jahrzehnten in die Wege geleitet. Die Kammer stimmte am Freitag mit 223 zu 202 Stimmen für umfassende Maßnahmen, die helfen sollen, weitere große Finanzkrisen zu verhindern.

Die mehr als 1000 Seiten starke Vorlage sieht die Einrichtung neuer Kontrollorgane vor. Außerdem soll US-Notenbank mehr Aufsichtskompetenz bekommen, um Bedrohungen des Finanzsystems rechtzeitig zu erkennen. Zudem soll es der Regierung künftig möglich sein, gegenüber Hedgefonds und Ratingagenturen durchzugreifen. Geldinstitute sollen außerdem künftig nur dann mit riskanten Papieren handeln dürfen, wenn sie genug Rücklagen haben. Auch eine Verbraucherschutzbehörde für Finanzkunden ist vorgesehen. Sie soll darüber wachen, dass beispielsweise Hypothekenbanken und Kreditkartenfirmen keine illegalen oder irreführenden Geschäfte mit ihren Kunden machen.

Im Rahmen des Pakets sollen erstmals auch dem 450 Billionen Dollar schweren Markt für außerbörslich gehandelte Derivate Zügel angelegt werden - darunter fallen etwa Kreditausfallversicherungen, die zu den Problemen beim Versicherungsriesen AIG führten. Das Gesetz werde die Transparenz auf diesem Markt steigern und die systemischen Risiken mindern, die sogenannte Over-the-Counter-Derivate (OTC) darstellen könnten, sollten sie unbeaufsichtigt bleiben, sagte der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses des Repräsentantenhauses, der Demokrat Collin Peterson.

Das Votum ist ein Sieg für die Regierung von Präsident Barack Obama. Der Präsident nannte die Entscheidung des Repräsentantenhauses einen "weiteren wichtigen Schritt" in Richtung eines umfassenden Umbaus, der zu einem stärkeren und stabileren Finanzsystem führe. US-Finanzminister Timothy Geithner sagte: "Eine umfassende Reform braucht klare Regeln, an die sich unsere nationalen Finanzinstitute und Märkte halten müssen."

Republikaner sowie Lobbyisten von Banken und anderen Wall-Street-Unternehmen haben monatelang für eine Abschwächung oder Verzögerung der Reformen gekämpft. Ihrer Ansicht nach stellen sie unnötige und kostspielige Eingriffe in die Branche dar. So stimmten die Republikaner in der Kammer geschlossen gegen das Gesetz. Ihnen schlossen sich 27 Demokraten an.

Bevor die neuen Regeln in Kraft treten können, muss noch der Senat zustimmen. Dessen Entwurf wiederum weicht deutlich von dem der Abgeordneten ab. Die Senatoren wollen unter anderem der US-Notenbank Fed weniger Macht geben als sie bisher hat. Die Abstimmung im Senat ist für die erste Hälfte des kommenden Jahres vorgesehen.