Frage: Herr Lobeck, haben Sie noch Spaß am Autofahren?

Wolfgang Lobeck: Ich muss mich schuldig bekennen. Ja, ich fahre immer noch gerne Auto. Obwohl ich ein Modell fahre, das mehr als fünf Liter verbraucht.

Frage: Dabei hätten Sie die Wahl zwischen 100 deutschen Modellen, die weniger als fünf Liter verbrauchen und deren CO2-Wert unter 130 Gramm je Kilometer liegt.

Lobeck: Die Auswahl wird größer, das ist erfreulich. Ich würde mir sicher auch eines dieser Modelle kaufen, wenn ich Bedarf hätte. Ich bezweifle allerdings, dass 100 Modelle das maximal Mögliche für die deutschen Autohersteller sind.

Frage: Zumindest haben die Produzenten offenbar die Zeichen der Zeit erkannt, oder?

Lobeck: Die Autowerbung spricht eine andere Sprache. Auch die Auftritte der Hersteller auf der IAA zeigen: Größe, Leistung und Ausstattung eines neuen Autos sind im Marketing viel wichtiger als niedrige Verbrauchs- und CO2-Abgaswerte. Das schafft Emotionen – und zeigt Wirkung bei den Kunden. Die spielen mit.

Frage: Umfragen zufolge haben aber viele Autofahrer häufig trotzdem ein schlechtes Gewissen, wenn ihr Auto zu viel verbraucht. Ist das typisch deutsch?

Lobeck: Es ist ein archaisches Vergnügen, auf vier Rädern unterwegs zu sein. Wir haben seit Kinderzeiten elementare Freude daran, uns in ein vierrädriges Gefährt zu setzen und damit zu fahren. In Deutschland ist es den Hersteller zusätzlich gelungen, Autos mit Emotionen und Status aufzuladen. Das Auto hat sich hierzulande als Vehikel etabliert, mit dem man seinen persönlichen, beruflichen oder finanziellen Status überall dokumentiert. Das scheint mir typisch deutsch zu sein.