Cissé Ouédrago ist Milchbauer in Burkina Faso. Doch von dem, was seine Kühe produzieren, kann er nicht leben. Schuld ist nicht deren mangelnder Fleiß, sondern die Europäische Union. 40 Cent kostet es Ouédrago, einen Liter Milch zu produzieren, verkaufen will er ihn für 70 Cent. Doch das funktioniert nicht. Denn die EU überschwemmt das afrikanische Land mit billigem Milchpulver europäischer Bauern. 30 Cent kostet die Exportmilch umgerechnet auf einen Liter. "Die katastrophale Milchpolitik gefährdet die Existenz der Milchbauern in Entwicklungsländern", kritisiert Marita Wiggerthale, Agrarexpertin der Nichtregierungsorganisation Oxfam, die sich für einen fairen Welthandel einsetzt.

54 Milliarden Euro zahlt die EU jedes Jahr an Agrarsubventionen. Mit 900 Millionen Euro werden Lebensmittelexporte subventioniert. Mit den europäischen Dumpingpreisen können die Kleinbauern in den Entwicklungsländern nicht mithalten. "Die armen Bauern können nicht mit den Finanzministern der EU konkurrieren", schildert Jonathan Hepburn von der Nichtregierungsorganisation "International Center for Trade und Sustainable Development" das Dilemma der Entwicklungsländer.

Ein Großteil der Billigmilch kommt aus Deutschland. Die EU ist weltweit der zweitgrößte Exporteur von Milchprodukten, in der Europäischen Union gehört Deutschland neben Frankreich zu den größten Milch-Produzenten. Doch trotz des subventionierten Exports stehen auch in Deutschland viele Milchbauern mit dem Rücken zur Wand. Die Preise, die ihnen die Molkereien zahlen, sinken. 3500 Milchbauern haben bereits aufgeben müssen, sagt Marita Wiggerthale, weitere werden folgen. 21,2 Cent pro Liter bekommen die Milchbauern derzeit von den Molkereien, berichtet der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), 40 Cent seien nötig, damit die Bauern überleben können.

Französische Bauern kämpfen seit Donnerstag mit einem Lieferboykott für höhere Preise und haben ihre europäischen Kollegen aufgefordert, sich zu beteiligen. Die Landwirte in Österreich schlossen sich dem Lieferstopp an. Der BDM würde gern mitmachen, doch er darf es nicht. Ein solcher Lieferboykott verstößt gegen das Wettbewerbsrecht und ist rechtswidrig, urteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf am vergangenen Mittwoch. "Wir dürfen uns nicht wehren, obwohl wir in einer existenzgefährdenden Krise sind", erregt sich BDM-Chef Romuald Schaber. Aber zumindest seine eigene Milch kippt Schaber jetzt in die Gülle. Er ist nicht allein: In Bonn vergossen Landwirte am Samstag 7000 Liter Milch vor dem Agrarministerium. Die Milch kam von einem Bauern aus Belgien, der wegen des Lieferstreiks seine Ware nicht verkauft.