Larry Summers war schon eine ganze Menge: Junger Star-Ökonom, Minister in Washington, Präsident von Harvard, und jetzt ist er Barack Obamas leitender Wirtschaftsberater. Er stand heute Rede und Antwort auf der großen Davoser Bühne. Und es wurde eine eindrucksvolle, weil höchst ernsthafte Veranstaltung.

Zunächst erklärte er, warum die positiven jüngsten US-Konjunkturdaten nur der erste Schritt zu einer echten Erholung seien ("Erst wird wieder länger gearbeitet, dann steigt die Zahl der Arbeitsverhältnisse, und schließlich sinkt die Arbeitslosigkeit"). Dann verteidigte er vehement die Ideen der amerikanischen Regierung zur Bankenregulierung. Am Ende, sagte Summers, gehe es um mehr Jobs und mehr Einkommen für die Amerikaner, nicht um Freiheit für die Banken.

Die hätten in den vergangenen zwei Jahrzehnten durchschnittlich alle drei Jahre eine Störung des Systems produziert, zuletzt die große Finanzkrise. Das sei nicht im Sinne der allgemeinen Wohlfahrt, und die Obama-Regierung werde entsprechend reagieren. Viele Banker arbeiteten daran auch mit, erklärte er, doch einige der vielen Lobbyisten in Washington hätten wenig verstanden, wenn sie alle Zumutungen für die Institute ablehnten – sogar die, dem Staat die Aufwendungen für ihre Rettung teilweise zu erstatten.

Erst danach wurde es richtig spannend. Summers ließ sich vom Fragensteller nicht beirren im Versuch, seine wirtschaftspolitische Philosophie zu erklären. Er begrüßte es als historisch, dass eine Reihe von Volkswirtschaften in Asien und anderswo so schnell wie nie wachsen und in einem Jahrzehnte den Wohlstand ihrer Länder verdoppeln (und mehr!). Das sei kein Grund zur Furcht oder zur Aggressivität, erklärte er, alle könnten davon profitieren, auch die westlichen Länder. Wenn die Staaten aber schon in der Erwartung daran gingen, dass es zum großen Konflikt und zum Niedergang des Westens komme – dann werde genau das auch eintreten.

Besser, so Summers, die USA und andere versuchen eine Welt zu schaffen, in der Industrie- und Schwellenländer gemeinsam Wohlfahrtsgewinne erzielen, als dass sie sich in der Logik eines Verdrängungswettbewerbs verlieren. Doch um eine solche Entwicklung zu erreichen, müsse vor allem auch Innenpolitik betrieben werden.

Genauer: Die Mittelklasse, das ist Summers zentrale Überzeugung, müsse die Hoffnung auf mehr Wohlstand und dauerhafte Jobs haben. Wachsende Ungleichheit, Jobunsicherheit und stagnierende Löhne zusammen brächten diesen Optimismus in Gefahr. Und nach einiger Zeit stellte sich Pessimismus ein, der dann in politischem Druck mündet – für Protektionismus, Marktferne, Verteilungskämpfe. Es ist demnach also sowohl ein nationales Gebot wie auch ein internationales, dass die Staaten für die ökonomische Zufriedenheit der Mittelschichten sorgen.

Wie man das unter den Bedingungen weltweiten Wettbewerbs umzusetzen ist, das ist für Summers der tägliche Kampf im Weißen Haus. Jeden Morgen rede Obama mit seinen Leuten über die Frage, wie man es schaffe, dass die Menschen wieder (gute) Arbeit finden. Und Länder, denen es gelinge, für die Zufriedenheit der Mittelschicht zu sorgen (so wie die USA nach dem Zweiten Weltkrieg), würden auch sonst reüssieren. Es sei, das ist Summers Philosophie der Wirtschaftspolitik, der Schlüssel zum Erfolg.