Die Pkw-Verkäufe in Deutschland sind zu Jahresanfang auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren eingebrochen. Mit rund 181.500 Neuzulassungen sei im Januar das schwächste Ergebnis seit der Wiedervereinigung erzielt worden, teilte der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) am Dienstag in Bad Homburg mit. Verglichen mit dem bereits schwachen Januar des Vorjahres verkauften die Autohäuser nochmals 4,2 Prozent weniger Neuwagen.

Experten warnen, es komme für die Branche noch heftiger. Weil aus den guten Zeiten der Abwrackprämie noch einige Aufträge abzuarbeiten sind, sei der Rückgang der Neuzulassungen zu Jahresbeginn vergleichsweise moderat ausgefallen. "Der erste Monat ist nicht dramatisch, weil die Krise im vergangenen Jahr erst angefangen hat. Das dicke Ende kommt erst", sagte Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer, der das CAR-Center an der Uni Duisburg leitet. Nach dem Einbruch vor einem Jahr hatte die Bundesregierung die schwächelnde Branche ab Februar mit der Abwrackprämie unterstützt. Im September lief diese Prämie aus.

Wegen der staatlichen Anreize hatten viele Kunden vergangenes Jahr früher ein neues Auto gekauft als ursprünglich geplant. Diese vorgezogenen Käufe fehlen der Branche im laufenden Jahr nun. Hinzu kommt die Angst vor Arbeitslosigkeit, die viele Verbraucher nach Meinung von Experten vor größeren Anschaffungen wie der eines Autos zurückschrecken lässt. Der Wirtschaftserholung, die von Ökonomen und der Bundesregierung für dieses Jahr vorhergesagt wird, trauten viele nicht, sagte Dudenhöffer.

"Man kann noch nicht von einer Konjunkturerholung sprechen", sagte auch Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch Gladbach. Er erwarte in der Automobilindustrie auf absehbare Zeit kein selbsttragendes Wachstum. "Die ersten Monate dieses Jahres werden schlimm", sagt Bratzel voraus.

Die Autobauer selbst rechnen 2010 im Inland mit anhaltend schwierigen Zeiten. VW-Chef Martin Winterkorn hatte unlängst von einem harten Jahr für die Branche gesprochen. Europas größter Autobauer hatte wegen seines Angebots an Klein- und Kompaktwagen am stärksten von der Abwrackprämie profitiert. Die Hoffnungen vieler Hersteller richten sich darauf, dass die Nachfrage in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien nicht nachlässt.

Wegen der Abwrackprämie waren im vergangenen Jahr mehr als 3,8 Millionen Autos auf Deutschlands Straßen neu zugelassen worden, so viele wie seit 17 Jahren nicht mehr. Für das laufende Jahr rechnen Experten mit einem Rückgang um bis zu eine Million Pkw.

In den USA erholt sich der Automarkt hingegen wieder. Auch dort hatte die Regierung die Branche mit einem Prämienmodell unterstützt. Von den steigenden Verkäufen profitierten auch deutsche Hersteller: Volkswagen und dessen Tochter Audi verkauften in den USA im Dezember 16 Prozent beziehungsweise 17 Prozent mehr Autos. Auch BMW und Mercedes konnten mit ihren Kernmarken jeweils etwa ein Zehntel zulegen.