US-Notenbankchef Ben Bernanke will den Leitzins "für eine längere Zeit" auf dem Rekordtief von knapp über null Prozent lassen. "Die Wirtschaft benötigt weiterhin die Unterstützung durch eine versorgende Geldpolitik", hieß es in einer Stellungnahme Bernankes an den US-Kongress. Die Fed stelle sich aber darauf ein, ihre Geldpolitik "zum angemessenen Zeitpunkt" zu verschärfen, um Inflation zu verhindern. Einen genauen Zeitrahmen nannte Bernanke nicht. Der Fed-Chef hätte am Mittwoch eigentlich vor einem Kongressausschuss die Exit-Strategie für die gegenwärtige Geldpolitik darlegen sollen. Die Anhörung wurde aber wegen eines Schneesturms abgesagt.

Um einen Zusammenbruch der Konjunktur infolge der Finanzkrise zu vermeiden, hatte die US-Notenbank mehr als eine Billion Dollar an zusätzlicher Liquidität in die Märkte gepumpt und den Leitzins auf ein historisches Tief von null bis 0,25 Prozent gesenkt. Die zusätzliche Liquidität muss wieder von den Märkten abgezogen werden, um eine Geldentwertung zu vermeiden. Zu den Aufgaben der Fed zählt, dafür den richtigen Zeitpunkt zu finden. Handelt sie zu früh, droht sie die Erholung der Konjunktur abzuwürgen. Handelt sie zu spät, droht Inflation.

Bernanke warb in der Stellungnahme an den Kongress um Vertrauen: "Wir sind zuversichtlich, dass wir bereit zum Handeln sind, wenn die Zeit gekommen ist." Die Fed sei sich bewusst, dass sie zum geeigneten Zeitpunkt "ihre Geldpolitik verschärfen muss, um inflationären Tendenzen entgegenzuwirken".

Im Vorgehen gegen die Finanzkrise hatte die Fed unter anderem Dutzende Milliarden zum Kauf fauler Immobilienpapiere ausgegeben, die im Zentrum der Krise standen. Die Fed hatte bereits in Aussicht gestellt, den Kauf dieser Papiere bis Ende März zu beenden. Bernanke kündigte an, dass die Notenbank diese Papiere "auf kurze Sicht" nicht wieder zum Verkauf anbieten wolle. Dies wäre erst dann eine Option, wenn die Konjunktur auf "dem Weg einer dauerhaften Erholung" sei.