Zwar ließ die US-Notenbank ihren zentralen Leitzins unangetastet, sie erhöhte aber den Diskontsatz auf 0,75 Prozent. Der Zinssatz, zu dem sich Banken Geld bei der Fed leihen können, stieg damit um 0,25 Prozentpunkte. Die Notenbank begründete ihren Schritt mit der "kontinuierlichen Verbesserung des Zustands des Finanzmarkts". Es sei nicht zu erwarten, dass sich dadurch auch die Kreditkosten für Haushalte und Unternehmen erhöhten.

Die Maßnahme ziele darauf ab, die Verleihpraktiken der Bank allmählich wieder zu normalisieren, heißt es in der Erklärung. Die Fed hoffe, dass sie Banken mit der Erhöhung dazu ermuntere, sich angesichts des sich stabilisierenden Finanzmarktes häufiger bei privaten Quellen Geld zu leihen - und nicht bei der Zentralbank.

Fed-Chef Ben Bernanke hatte bereits vor einigen Tagen mögliche Zinserhöhungen angedeutet und damit sinkende Kurse an den US-Börsen ausgelöst. Die Zinserhöhung am Donnerstag folgte allerdings überraschend schnell. Der Diskontsatz gilt als weniger wichtig als der Leitzins. Bei ihm soll es erst Änderungen geben, wenn es klare Zeichen für einen Wirtschaftsaufschwung geben sollte. Die Anhebung des Diskontsatzes versteht Bernanke nicht als eine Änderung der Geldpolitik.

Marktteilnehmer erinnerten jedoch daran, dass die Notmaßnahmen der Fed wegen der Finanzkrise mit Senkungen des Diskontsatzes begonnen hätten. "Deshalb bedeutet der Schritt zur Erhöhung des Diskontsatzes, dass der lange Weg zur Normalisierung der Geldpolitik begonnen hat", schrieb Währungsexperte Robert Rennie von der australischen Westpac.

Während der Dollar nach der Anhebung des Diskontsatzes im Kurs stieg, sank der Wert des Euro zeitweise auf den tiefsten Stand seit neun Monaten. Am Freitagvormittag wurde die europäische Gemeinschaftswährung zum Kurs von 1,3463 Dollar gehandelt; ein Dollar war 0,7426 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag noch auf 1,3567 (Mittwoch: 1,3726) Dollar festgesetzt.

An der Frankfurter Börse gaben die Kurse nach. Vor allem Bankenwerte verloren, denn durch höhere Zinsen kann sich ihre Refinanzierung verteuern. Auch die asiatischen Aktienmärkte reagierten mit deutlichen Verlusten. Zu den größten Verlierern gehörten hier Unternehmen aus der Rohstoffbranche.

Die Fed und andere Notenbanken hatten wegen der Krise viele Milliarden in die Finanzmärkte gepumpt und in großem Stil Wertpapiere angekauft, um die Bilanzen der Banken zu entlasten. Sie muss nun ihre Bilanz langsam aber sicher wieder bereinigen, wenn sie nicht auf mittlere Sicht einen Inflationsschub riskieren will. Ende März beendet die Federal Reserve mehrere in der Finanzkrise aufgelegte Ankaufprogramme, darunter das 1,25 Billionen Dollar schwere Programm für immobilienbesicherte Anleihen.