Zwei Stunden vor dem offiziellen Beginn des Gipfels in Brüssel saßen sie schon beisammen: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy berieten über Details der Finanzhilfe für das Euro-Land Griechenland. Mit am Tisch waren der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou sowie EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, weiterhin EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Jean-Claude Trichet sowie der Chef der Eurogruppe und luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker.

Noch bevor die Runde mit den anderen Staats- und Regierungschefs zusammenkam, deutete sich ein Ergebnis an: "Griechenland ist Teil der EU", sagte Merkel. "Griechenland wird nicht allein gelassen. Aber es gibt Regeln, die müssen auch eingehalten werden." Auf dieser Grundlage wolle man eine Erklärung verabschieden.

In der Runde ging es um Details des Rettungsplans für das geschwächte Land, die große Linie steht bereits fest: Wie der spanische Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero sagte, haben sich die EU-Finanzminister bereits auf Kredite der Euro-Staaten für Griechenland geeinigt. Dabei werde die EU "entschlossen und koordiniert" vorgehen, hieß es.

Die Hilfe erfordere aber zusätzliche Sparanstrengungen der Regierung in Athen. Geld des Internationalen Währungsfonds solle nicht fließen, das hatte Griechenland abgelehnt. Jedoch wollen die Staaten die Fachkenntnis des IWF nutzen. Ausarbeiten und abstimmen soll die EU-Kommission das Hilfspaket.

Ziel des Treffens der Staats- und Regierungschefs in Brüssel ist ein detaillierter Plan zur Abwendung des griechischen Staatsbankrotts, den dann der EU-Sondergipfel auch beschließen soll.

Der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou bat die Mitgliedstaaten noch einmal eindringlich um Hilfe. Athen benötige die "psychologische und politische Unterstützung Europas", sagte er kurz vor Beginn des Gipfels.

In seinem Land ist das öffentlich Leben derweil in Teilen lahm gelegt, denn die  Streiks gegen die Sparpläne der Regierung setzten sich fort. Nach dem Ausstand der Beamten ließen jetzt die etwa 30.000 Taxifahrer des Landes für 24 Stunden ihre Autos stehen.

Als Grund für die Hilfs-Reaktion der EU sehen die Griechen nicht nur ihre eigene Misswirtschaft sondern auch, dass große Teile der rund 300 Milliarden Euro der griechischen Kredite in den Händen deutscher und französischer Kreditinstitute seien. Zudem würde ein Bankrott Griechenlands sofort einen Dominoeffekt auslösen, der auch andere Euroland-Mitglieder mit sich reißen könnte, hieß es in der griechischen Presse.

Griechenlands finanzielle Schwäche bedroht nicht nur das eigene Land, sondern auch die Stabilität des Euro. Das war dann auch Thema eines längeren Arbeitsfrühstücks, an dem neben Van Rompuy auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, EZB-Chef Jean-Claude Trichet, Zapatero und der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker, teilnahmen.

Dabei herrschte nach Angaben von Diplomaten Einigkeit darüber, dass es "eine europäische Lösung" geben müsse. Das Gleichgewicht zwischen den Wünschen Griechenlands und den Interessen der europäischen Partner müsse gewahrt sein. Alleingänge von Staaten sollte es nicht geben.