ZEIT ONLINE: Würde ein Mindestlohn helfen?

Möller: Ja. Ein moderater Mindestlohn wäre sinnvoll, weil er die ganzen krassen Fälle von Lohndumping verhindert. Das würde in vielen Fällen auch dazu führen, dass es sich stärker lohnt, eine Beschäftigung aufzunehmen.

ZEIT ONLINE: Wie hoch sollte der Mindestlohn sein?

Möller: Das ist eine politische Frage. Orientiert man sich am Hartz-IV-Regelsatz eines Alleinstehenden, kommt man auf einen Mindestlohn von 4,50 Euro die Stunde. Von dieser Summe an würde sich also reguläre Beschäftigung lohnen. Der Mindestlohn sollte aber sicher aber um einiges höher sein.

ZEIT ONLINE: Ein anderer Vorschlag lautet, das Kindergeld zu erhöhen, um Arbeit für Familien wieder attraktiver zu machen.

Möller: Ich halte es nicht für sinnvoll, jetzt mit Einzelmaßnahmen zu kommen. Vielmehr brauchen wir eine Grundrevision im Bereich der unteren Einkommen. Denkbar wäre es etwa, die Sozialabgaben für die unteren Einkommensgruppen degressiv zu staffeln, um Arbeitsanreize zu schaffen. Aber klar ist auch: Das alles kostet viel Geld.

ZEIT ONLINE: Geld, das der Staat nicht hat. Wenn die Regierung die Steuereinnahmen nicht erhöht, muss sie allein bis 2013 rund 60 Milliarden Euro einsparen. Statt etwa mehr Förderung der Arbeitslosen, könnten bald die Hilfen sinken.

Möller: Das Fördern ist ein wichtiges Element, von dem viele Arbeitslose profitieren. Unsere Langzeituntersuchungen zeigen, dass viele aktivierende Arbeitsmarktmaßnahmen wirken. Ich hielte es für eine sehr gefährliche Politik, wenn man an dieser Stelle einen Kahlschlag betreiben würde. Die Folge wäre eine weitere Polarisierung der Gesellschaft. Das können wir uns nicht wünschen.

Die Fragen stellte Philip Faigle.