ZEIT ONLINE: Herr Hankel, im Streit um mögliche Finanzhilfen für Griechenland zeichnet sich eine Einigung ab. Im äußersten Notfall soll der IWF nun einspringen. Was halten Sie davon?

Wilhelm Hankel: Eine Rettung Griechenlands auf diesem Wege bedeutet das Ende eines stabilen Euros. Aus der Euro-Zone würde eine Art Entwicklungshilfezone. Zudem würde der IWF Probleme mit den eigenen Statuten bekommen. Ansprechpartner für den Fonds sind nicht Länder, sondern Zentralbanken. Und die EZB kann ja wohl nicht Ansprechpartner für Finanzhilfen an Griechenland sein. Der IWF sollte es sich genau überlegen, ob er einem bankrotten Staat helfen will.

ZEIT ONLINE: Ist Griechenland schon bankrott?

Hankel: Es ist zumindest kurz davor. Ein Land, das solche Ansprüche an die EU stellt, strotzt nicht gerade vor ökonomischer Kraft.

ZEIT ONLINE: Bislang haben die Griechen behauptet, allein aus der Schuldenkrise herauszufinden.

Hankel: Aber immer mit der Drohung, wenn ihr uns im Extremfall nicht helft, gehen wir zum IWF. Für Griechenland wäre es am Besten, freiwillig aus der Eurozone auszutreten. Ein Verbleib würde bedeuten, dass Griechenland zum ewig Kranken der Eurozone wird und Gefahr liefe, zu einem Polizeistaat zu degenerieren. Denn die Auflagen, die mit möglichen Finanzhilfen verbunden wären, würden das Land in eine tiefe Depression stürzen.

ZEIT ONLINE: Griechenland hat ein sehr ambitioniertes Sparprogramm vorgelegt und konnte sich zuletzt auch ohne größere Probleme am Kapitalmarkt refinanzieren.

Hankel: Ein Programm zu verkünden, ist etwas anders, als es dann auch umzusetzen. Ein Programm, das den Bürgern Einkommenseinbußen zumutet, Steuererhöhungen abverlangt und den Sozialstaat faktisch abschafft, ist innenpolitisch friedlich nicht durchsetzbar. Warum sich eine Regierung ein solches Programm aufbürdet, ist mir unverständlich. Sie kann sich sicher sein, dass sie nie wieder gewählt wird.