Einer der wichtigsten Verbündeten der schwarz-gelben Bundesregierung will nicht mehr. Selten haben sich die Wirtschaftsverbände so klar und deutlich negativ über die Arbeit einer Regierung geäußert, deren Wahlerfolg sie noch vor wenigen Monaten mit Applaus begrüßt haben. Die Enttäuschung über das äußere Erscheinungsbild und das bisherige Auftreten ihrer Wunschregierung ist groß. Statt des erhofften Reformeifers prägen Stillstand, Streit und Populismus das Bild.

Am Freitag wurde nun der öffentliche Schulterschluss gesucht. In München kamen Vertreter der großen Arbeitgeberverbände mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen, um ihre Forderungen an Schwarz-Gelb noch einmal deutlich zu machen. Wirklich kitten konnte das Treffen den Riss, der sich zwischen Wirtschaft und Regierung gebildet hat, aber nicht. 

Ein "konstruktives Gespräch" sei es gewesen, sagte Merkel während der anschließenden Pressekonferenz. Es habe ein hohes Maß an Übereinstimmung gegeben. Angesprochen auf die massive Kritik der Arbeitgeber sagte die Kanzlerin lediglich: Es sei eine komplizierte Zeit und daher verständlich, dass nicht bei jeder Diskussion applaudiert werde. Kein Wort über Westerwelle, kein Wort über den Streit zwischen FDP und CSU in der Gesundheits- und Steuerpolitik. 

"Die Wirtschaft ist unzufrieden, weil der Eindruck vorherrscht, dass die schwarz-gelbe Koalition zu sehr in die eigenen Reihen schießt", heißt es aus Arbeitgeberkreisen. "Schon beim Start von Rot-Grün knirschte es gewaltig, aber so haben wir das noch nicht erlebt."

Zwar hat die Bundesregierung in den ersten Monaten einiges getan, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Sowohl die Unternehmens- als auch die Erbschaftssteuer wurden im Sinne der Wirtschaft reformiert.