Der deutsche Arbeitsmarkt trotzt weiterhin der Wirtschaftskrise und präsentiert sich nach Einschätzung von Experten auch im März erstaunlich robust. Saisonbedingt sei die Zahl der Jobsucher nach dem strengen Winter zum Frühjahrsbeginn wieder gesunken.

Über das Ausmaß der Erholung gehen die Einschätzungen der Volkswirte deutscher Großbanken allerdings weit auseinander. Im Schnitt rechnen sie im März mit einem Rückgang der Erwerbslosenzahl um 30.000 bis 40.000 auf rund 3,6 Millionen. Dies wären nur noch 20.000 bis 30.000 mehr als im Jahr zuvor.

Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) in diesem Mittwoch in Nürnberg bekannt geben.

Hypovereinsbank-Volkswirt Alexander Koch rechnet damit, dass die Zahl der Arbeitslosen um bis zu 90.000 sinkt. Dafür spräche die von einem Konjunkturaufschwung gestützte, starke Frühjahrsbelebung. Auch wenn die Krise noch keineswegs überwunden sei, stellten Unternehmen wieder verstärkt ein, sagte Koch.

Diese Einschätzung teilte auch die Bundesagentur für Arbeit. Sie registrierte im März einen Anstieg der Arbeitskräftenachfrage. Der von der Behörde herausgegebene Beschäftigungsindex BA-X stieg um 5 auf 138 Punkte. Das ist der höchste Wert seit Februar 2009. Damit liegt der BA-X wieder auf dem Niveau vom Frühjahr 2006, als der vergangene Wirtschaftsaufschwung begann.

Nach Ansicht der meisten Experten ist die Gefahr einer Jobkrise in Deutschland vorerst gebannt. Die Zahl der Erwerbslosen könne zwar in den kommenden Monaten noch leicht steigen. Mit einer dramatischen Zunahme, die noch vor einigen Monaten befürchtet worden war, muss aber nach Ansicht von Bankenvolkswirten niemand rechnen.

Der Arbeitsmarkt sei weiterhin robust, sagt Philipp Jäger von der genossenschaftlichen DZ-Bank. Das Risiko, dass für viele Beschäftigte die monatelange Kurzarbeit in Arbeitslosigkeit münden könnte, schätzt er als gering ein.

Eher skeptisch beurteilt dagegen Ralph Solveen von der Commerzbank die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. "Bis jetzt hält das Jobwunder weiter an - mal schauen, wie lange. Wir können uns einfach nicht vorstellen, dass ein so schwerer Einbruch der Wirtschaft völlig spurlos am Arbeitsmarkt vorbeigeht." Er rechnet daher – im Unterschied zu Volkswirten anderer Banken – im Laufe des Jahres mit einem spürbaren Anstieg der Arbeitslosenzahlen.