Die Bundesregierung will mit einer Bankenabgabe vermeiden, dass der Steuerzahler künftig für in die Schieflage geratene Geldinstitute zahlen muss. Das Geld soll in einen eigenen Fonds fließen und vom Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin verwaltet werden. Die Höhe der Abgabe soll sich an der Größe des Instituts und dessen eingegangenem Risiko orientieren. So jedenfalls hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den Plan bislang skizziert.

Das Konzept klingt simpel, ist jedoch in Wirklichkeit sehr kompliziert. Viele Fragen lässt die Koalition bislang unbeantwortet. Bekannt ist lediglich, dass die Kundeneinlagen aus der Bilanz herausgerechnet werden sollen, wodurch die Sparkassen und Volksbanken geschont würden. Bei der Berechnung der individuellen Abgabe sollen verschiedene Risikokennziffern berücksichtigt werden. Im Ergebnis würden große Investmentbanken mit hohen Spekulationsrisiken am stärksten belastet, ein kleines Kreditinstitut am geringsten.

"Eine Bankenabgabe ist im Prinzip richtig", sagt Thomas Hartmann-Wendels, Professor für Bankbetriebslehre an die Universität zu Köln. "Die Banken müssen dann für die Risiken bezahlen, die sie jetzt noch den Steuerzahler abwälzen."

Doch wer genau soll das Risiko einer Bank bewerten? "Auf die klassischen Ratings der großen Rating-Agenturen sollte möglichst verzichtet werden", sagt Hartmann-Wendels. Der Grund ist einfach: Die Agenturen haben sich in der Krise alles andere als bewährt. So wurde die Investmentbank Lehmann Brothers noch wenige Tag vor der Pleite mit Bestnoten ausgezeichnet. Außerdem beinhaltet die Bonitätsprüfung der Agenturen kein Urteil über die Systemrelevanz eines Instituts. Dabei ist das für die Einschätzung "retten" oder "nicht retten" entscheidend.

Hartmann-Wendels schlägt vor, dafür die schon existierende Klassifizierung von Banken durch die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) weiterzuentwickeln. Es müsse viel kritischer geprüft und ein Indikator für die Systemrelevanz gefunden werden, fordert er. Aber auch ein solches System wäre nicht perfekt. "Mit einem Rating geht man immer auch ein Risiko ein." Es handele sich immer nur "um eine Meinung, um eine Einschätzung, die nie 100 Prozent präzise sein kann".