Im lauten Getöse der Sparkassen- und Wirtschaftsverbände gegen die von der Bundesregierung geplante Bankenabgabe ist es fast untergegangen. "Wir wissen, dass wir unseren Beitrag leisten müssen", sagte Manfred Weber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Anfang vergangener Woche in einem Interview. "Alle, die von der Stabilisierung des Systems profitieren, müssen auch ihren Beitrag leisten."

Wie? Kein Protest? Kein Widerstand? Es könnte einen stutzig machen, dass die Kritik an der Bankenabgabe nicht von denen kommt, die am meisten darunter zu leiden haben: den privaten Kreditinstituten in Deutschland.

Der Grund für die stille Akzeptanz ist simpel: Der Plan der schwarz-gelben Regierung ist für die Banken günstig. Durch die Abgabe sollen pro Jahr rund 1,2 Milliarden Euro in einen Topf fließen, mit dem künftige Krisenfälle in der Branche finanziert werden. 600 Millionen Euro entfallen auf die großen Privatbanken, weitere 300 Millionen Euro auf kleinere Institute und Spezialbanken. Der Rest verteilt sich auf Landesbanken, Sparkassen und Volksbanken. So will es zumindest die Deutsche Presse-Agentur erfahren haben. Das Bundesfinanzministerium wollte sich auf Anfrage nicht zu konkreten Zahlen äußern.

600 Millionen Euro – das ist weniger als die Häfte des Gewinns, den die Deutsche Bank allein im vierten Quartal nach Steuern gemacht hat. Wer so billig davonkommt, der hält besser den Mund und beschwert sich nicht. Würde das amerikanische Modell auf Deutschland übertragen, kämen nicht 1,2 Milliarden, sondern neun Milliarden Euro pro Jahr zusammen.

Die Banken haben mit dem Notopfer zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sie haben zu einem sehr geringen Preis Verantwortung übernommen und können sich zeitweise das Büßerhemd überziehen, um das angeschlagene Image in der Öffentlichkeit aufzupolieren.

Mit der Abgabe wird zugleich die Diskussion über einen anderen Vorschlag beendet, der die Banken viel teurer gekommen wäre: eine generelle Finanzmarktsteuer, wie sie sogar zeitweise von Finanzminister Wolfgang Schäuble favorisiert wurde. Angesprochen auf diesen Vorschlag, kam Banken-Lobbyist Weber vergangene Woche auch gleich in Fahrt: "Die Finanzmarkt-Transaktionssteuer löst kein einziges Problem", kritisierte er. "Sie verteuert letztendlich als eine Art Umsatzsteuer Kredite, damit die Finanzierung der Wirtschaft, und sie schmälert die Renditen der Anleger, der Sparer."

Jetzt können die Banken durchatmen, die Transaktionssteuer wird nicht kommen. Mit der Mini-Abgabe können sie hingegen gut leben. Im schlimmsten Fall werden sie die Kosten einfach auf die Kunden umlegen. Ein geringeres Risiko einzugehen oder sogar eine marginal niedrigere Rendite zu akzeptieren, um die Abgabe zu schultern, wird den Banken wahrscheinlich nicht in den Sinn kommen.

Dem Steuerzahler hilft derweil nur Beten und Hoffen, dass die nächste Krise lange auf sich warten lässt. Insgesamt 28 Milliarden Euro hat der Staat bislang ausgegeben, rechnet die Frankfurter Allgemeine Zeitung vor, um angeschlagene Finanzinstitute in Deutschland zu stützen. Bei einem Aufkommen von 1,2 Milliarden Euro darf die nächste Krise also frühestens in 23 Jahren ausbrechen. Dann hätte der Fonds genug Geld gesammelt.