ZEIT ONLINE: Der Präsident der Europäischen Kommission, Manuel José Barroso, hat eine neue Wachstumsstrategie für Europa vorgestellt. Was taugt der Plan?

Henrik Enderlein: Das Papier ist weniger ambitioniert, dafür aber an vielen Stellen konkreter als die Lissabon-Strategie. Festgelegt ist etwa, wie stark die Beschäftigungsrate in den kommenden Jahren steigen soll, oder auch der Anteil der Bildungs- und Forschungsausgaben. Die Politikinhalte allerdings überzeugen mich nicht alle: Es fallen oft die bekannten Schlagworte zu Innovationsförderung und neuen Technologien, ohne dass entscheidende neue Impulse gesetzt werden. Mir fehlen auch zwei oder drei wirkliche Schlüsselprojekte. Es wirkt an vielen Stellen so, als ob die EU neues Wachstum in der Breite und mit der Gießkanne erzeugen wolle. Das hat in der Vergangenheit nicht funktioniert – und es klappt auch heute nicht.

ZEIT ONLINE: Barroso und der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, fordern seit Längerem neue Regeln für die Euro-Zone und eine stärker koordinierte Wirtschaftspolitik. Wie konkret wird das Papier da?

Enderlein: Der Plan enthält einige Ankündigungen, die richtig sind. Brüssel will die Patienten innerhalb der Währungsunion künftig ganzheitlich behandeln, also nicht nur bei ausufernden Haushaltsdefiziten Alarm schlagen, sondern etwa auch die Entwicklung der Löhne oder der Exporte im Blick behalten.

ZEIT ONLINE: Also mehr Einfluss für die Kommission.

Enderlein: Ja, und das ist richtig. Die EU muss sich stärker in die Wirtschaftspolitik der Länder einmischen können. Das ist die Lehre aus dem griechischen Schuldendrama: Die EU muss die Mitglieder nicht nur stärker kontrollieren, sondern auch anders regieren.

ZEIT ONLINE: In welche Richtung sollte ihre Regierung denn zielen?