Larry Summers, der Direktor des Nationalen Wirtschaftsrates der USA, rechnet der ZEIT zufolge für sein Land mit einem schnelleren Ende der Krise als für Europa. "Weil wir ein breiter aufgefächertes Finanzierungssystem haben als Europa. Unsere Investoren holen sich das Geld nicht nur von den Banken, die derzeit nicht sehr großzügig sind, sondern auch vom Kapitalmarkt. Außerdem kann unser Arbeitsmarkt schneller auf wechselnde Nachfrage reagieren als der europäische. Wir sind insgesamt flexibler", sagt er in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Am schnellsten werde Asien auf die Beine kommen.

Summers begründet seine Zuversicht für die US-Entwicklung mit vorliegenden Wirtschaftsdaten aus Amerika: "Im vierten Quartal 2009 aber hat die Wirtschaft, aufs Jahr gerechnet, sechs Prozent zugelegt, und der Aktienmarkt ist wieder  obenauf." Auch bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sieht der 55-Jährige Fortschritte: "Die meisten ökonometrischen Berechnungen sagen auch Jobwachstum voraus."

Obamas Chefökonom sieht keine Inflationsgefahr, obwohl die US-Regierung ein Konjunkturprogramm von 819 Milliarden Dollar aufgelegt hat. "Schauen Sie sich doch mal alle drei Sektoren an: Staat, Unternehmen, Haushalte. Was der Staat derzeit ausgibt oder als Kredite bereitstellt, gleicht nicht einmal die Summen aus, die im Entschuldungsprozess der Unternehmen und Privatpersonen verschwinden", sagt Summers.

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn zufolge erholt sich die Wirtschaft in der Europäischen Union (EU) zu langsam. Der Konjunkturaufschwung müsse beschleunigt werden. Auch Strauss-Kahn sagt, Asien werde den Einbruch schnell wettmachen. Europa sei bei dieser Aufholjagd zurückgeblieben.

Die Krise habe gezeigt, dass die EU-Mitgliedstaaten keine gemeinsame Währung ohne eine entsprechende Koordinierung ihrer Politik haben könnten, sagt der IWF-Chef. "Es ist unsere Entscheidung, dies möglich zu machen. Wenn wir bloß sitzen und nichts tun, wird nichts geschehen". Das EU-Mitglied Rumänien erhält vom IWF zur Krisenbewältigung insgesamt 12,95 Milliarden Euro, Teil eines Nothilfepakets von rund 20 Milliarden Euro, an dem auch die EU, die Weltbank und andere Finanzinstitutionen beteiligt sind.

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) tritt für eine stärkere Koordinierung der europäischen Wirtschaftspolitik ein. "Wir brauchen bessere Instrumente, um den Stabilitätspakt durchzusetzen. Und wir brauchen mehr Koordinierung im Sinne einer Wirtschaftsregierung", sagt er in der aktuellen Ausgabe der ZEIT.