Der 66-jährige Bürgermeister von Detroit ist eine Basketball-Legende: Er spielte vor allem für die Detroit Pistons, so kam er in die Autometropole. Nach seiner Sportlerkarriere arbeitete er unter anderem bei einer Stahlfirma, und 1980 startete er einen Automobilzuliefererbetrieb. Seit Mai versucht er, als neuer Bürgermeister die alte Autostadt vor dem Verfall zu retten. Leicht ist das nicht. Hier leben 900.000 Menschen, die Arbeitslosigkeit beträgt 30 Prozent, Zehntausende Häuser und Gebäude stehen leer.

ZEIT ONLINE: Ist Detroit verloren?

Dave Bing: Nein! Wir kommen voran. Die Zahl der Gewaltverbrechen ist im vergangenen Quartal gesunken. Das Haushaltsloch wird kleiner. Der Arbeitsplatzabbau scheint ein Plateau erreicht zu haben. Es gibt einige Start-up-Firmen. Da zeigt sich der Unternehmergeist der Männer und Frauen, die in der Automobilindustrie gearbeitet haben!

ZEIT ONLINE: Was könnte einen deutschen Hersteller nach Detroit locken?

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Bing: Es gibt hier eine Reihe ehemaliger Fabrikhallen, die schnell renoviert werden könnten. Viele sind bereits erschlossen und nahe an großen Verkehrswegen, deshalb müsste kaum in Infrastruktur investiert werden. Außerdem finden Sie bei uns so viele Ingenieure wie sonst nirgendwo auf der Welt, und wir haben gleich drei hervorragende Forschungseinrichtungen des Landes in der Nähe.

ZEIT ONLINE: Trotzdem, binnen zehn Jahren sind 150.000 Menschen aus Detroit abgewandert. Machen Sie die Stadt jetzt kleiner?

Bing: Nein, wir machen sie nicht kleiner, sondern wir nutzen künftig die 360 Quadratkilometer besser. Verschandelte und gefährliche Gebäude entfernen wir aber. Daran arbeiten wir.

ZEIT ONLINE:Es gibt Vorschläge, die leer stehenden Gebäude und Plätze in städtische Farmen umzuwandeln. Werden Sie eines Tages aus Ihrem Büro auf Maisfelder und Kühe gucken?

Bing: Nun, wir erarbeiten einen umfassenden Plan für künftige Nutzungsmöglichkeiten. Dazu könnte auch urban farming gehören.

Das Gespräch führte Julian Carl Jaursch.