Politik war für Katrina Pierson weit weg. Die alleinerziehende Mutter aus Dallas (Texas) hatte genug damit zu tun, sich und ihren 13Jährigen Sohn zu versorgen und ihr Studium – Biologie – durchzuziehen.

Doch im Wahljahr 2008 hat sich das geändert. Es fing damit an, dass Pierson keinen der Präsidentschaftskandidaten mochte. Obama erschien nicht patriotisch genug. "Warum weigert er sich, die Flagge am Revers zu tragen?" Und McCain? Ein Patriot, aber auch ein altgedienter Washington Insider. "Keiner sprach wirklich für die normalen Leute!" Was ist mit Sarah Palin? "Sie ist wenigstens normal geblieben – hat keinen Koch oder so."

Da stieß Katrina Pierson im vergangenen Frühjahr auf die Tea-Party-Bewegung.

Das ist eine Protestgruppe, die es überhaupt erst seit einem Jahr gibt. Eine Bewegung, die nach dem Vorbild der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung gegen immer höhere Steuern und die zunehmende Einmischung des Staates protestiert. Pierson ging zum Treffen in Dallas. Damit fing alles an.

Inzwischen gehört die 33jährige Frau zu den leitenden Organisatoren der Bewegung, die in Texas laut eigener Schätzung 100.000 Mitglieder hat, davon 16.000 in Dallas. Ihre Freunde schütteln den Kopf. "Ich bin schwarz, viele verstehen nicht, was ich bei der Tea Party mache", sagt die 33jährige.

Was macht sie da also? Ihre Mutter hatte mit 15 Jahren ihr erstes Kind, vier Geschwister waren es bald. "Wir hatten nichts, absolut gar nichts!", sagt Pierson. Die Familie lebte von der Sozialhilfe, und Pierson passte das nicht; sie war entschlossen, etwas aus sich zu machen. "Es hat frustrierend lang gedauert, aber ich habe es geschafft." Sie begann als Rezeptionistin in einer Arztpraxis, heute arbeitet sie in der Verwaltung eines Krankenhauses. Ohne Hilfe des Staates habe sie ihren Aufstieg bewältigt, wie sie betont.

Sie hat deswegen überhaupt kein Verständnis für die Hausbesitzer in Amerika, die ihre Hypothek nicht mehr zahlen können und deswegen jetzt Hilfe vom Staat bekommen. Obamas Gesundheitsreform überzeugt sie auch nicht. "Es widerspricht unserer Verfassung, von der Regierung gezwungen zu werden, eine Krankenversicherung zu zahlen." Nein, das Gegenteil wäre richtig gewesen: Mehr Wettbewerb, nicht mehr Staat, sei die Lösung.

Kann sie sich vorstellen, eines Tages nach Washington zu gehen? "Ich komme gerade von dort zurück!"