Es ist ein Plan, den kaum ein Bürger nachvollziehen kann: Der deutsche Staat soll Griechenland 8,4 Milliarden Euro leihen, während die Banken, Versicherungen und andere Gläubiger nicht auf ihre Forderungen verzichten müssen. Dass die Regierungen wieder einmal die Finanzinstitute vor Verlusten bewahren sollen, die jahrelang auch mit griechischen Staatspapieren Gewinne gemacht haben, wird allgemein als ungerecht empfunden.

Auch deshalb beharren viele Parlamentarier – auch aus den Regierungsfraktionen – darauf, die Finanzbranche an der Griechenland-Rettung zu beteiligen.

 Dass die Kanzlerin und auch ihr Finanzminister nicht mitziehen, liegt an der brenzligen Situation, die derzeit an den Märkten herrscht. Eine Umschuldung Griechenlands zum jetzigen Zeitpunkt gilt in Regierungskreisen als "nukleare Option". Ein Forderungsverzicht würde bei deutschen Banken zu Abschreibungen und hohen Verlusten führen. Betroffen wären auch Institute wie die Hypo Real Estate und die Commerzbank, die ohnehin mit Milliarden vom Staat gestützt werden.

Der Staat müsste ihnen mit weiteren Kapitalspritzen helfen. Zudem könnte ein Forderungsverzicht einen Domino-Effekt herbei führen: Die Anleger könnten aus Angst vor Verlusten die Anleihemärkte meiden, gefährdete Staaten kämen dann erst recht nicht mehr an neues Geld.

Das gilt allerdings nur für den Moment. Auf lange Sicht könnte die Politik nach dem Motto verfahren: Erst retten, dann beteiligen. Vier Möglichkeiten werden derzeit diskutiert.

Erstens: Die Kredite für Griechenland beruhigen die Märkte für eine Weile, reichen aber langfristig nicht aus. Viele Experten halten das für wahrscheinlich. Kann die Regierung in Athen irgendwann ihre Schulden nicht mehr bedienen, kommt es womöglich doch zu einer Umschuldung. Das würde bedeuten, dass die griechischen Schulden drastisch reduziert würden – um 20, 30 oder 50 Prozent. Für die Gläubiger hieße das, dass sie am Ende der Laufzeit der Anleihe nur einen Bruchteil ihres Einsatzes bekämen, der Rest wäre verloren. Griechenland wiederum wäre ein Großteil seiner Schulden los.

Das Problem an dieser Lösung: Auch zu einem späteren Zeitpunkt werden sich viele deutsche Banken noch in Schieflage befinden. Fallen durch den Forderungsverzicht Abschreibungen und Verluste an, muss der Staat mit Milliarden einspringen. Das Geld würde dann eben nicht nach Athen fließen, sondern nach München oder Frankfurt. Die starken Banken, die wieder Gewinne schreiben, könnten in diesem Szenario sogar noch weniger Anreize haben, im Markt für Staatsanleihen zu verbleiben. Die EU-Länder diskutieren derzeit, ob sie sich für ihre Finanzhilfen an Griechenland den Status des "bevorzugten Gläubigers" einräumen lassen. Das würde bedeuten, dass bei einer Umschuldung zuerst die Staatshilfen ausbezahlt werden. Dadurch dürfte die Bereitschaft der Privatbanken sinken, Geld an gefährdete Staaten zu verleihen.