Alle sechs Stunden steigt die Spannung in der Zentrale der Deutschen Flugsicherung in Langen. Dann erstellt das Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) in London neues Kartenmaterial: Vier Grafiken zeigen – über den Verlauf von mehreren Stunden – die Fläche von Grönland bis zum Chinesischen Meer, darauf eingezeichnet sind blaue, grüne und rote Linien. Ein Laie könnte damit wenig anfangen. Doch die Flugsicherung (DFS) weiß genau, was die Karten zeigen: Eine Prognose darüber, wie sich nach Einschätzung des Londoner Zentrums die Wolke mit der Asche des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull in den kommenden Stunden bewegen wird.

Die Londoner Experten behalten die Vulkanasche über Großbritannien und dem Nordost-Atlantik im Blick, während ein weiteres Institut im südfranzösischen Toulouse für Vulkanasche über Kontinentaleuropa und Afrika zuständig ist. Das britische Zentrum führt die Daten zusammen und füttert damit seine Computer, die dann Wettermodelle in Form der bunten Grafiken ausspucken.

Auf diese wartet auch der Deutsche Wetterdienst (DWD). Auch er misst die Zusammensetzung der Aschewolke nicht, sondern verwendet die Daten des VAAC, um daraus sogenannte Sigmets zu generieren. Das sind kurzzeitige Prognosen, die speziell für den Flugverkehr erstellt werden, um ihn vor dem erwarteten Eintreffen bestimmter Wetterphänomene zu warnen, die die Sicherheit beeinträchtigen. Wie etwa Aschepartikel in der Luft, die die Triebwerke der Flugzeuge beschädigen könnten.

Liegt in Langen ein neues Sigmet über die Bewegung der isländischen Aschewolke vor, herrscht Beratungsbedarf. Mehrmals täglich telefoniert der eingerichtete Krisenstab mit den 16 bundesweiten DFS-Standorten, zugeschaltet ist dann auch ein Referent aus dem Bundesverkehrsministerium. Müssen die Lufträume über Deutschland weiterhin "auf Null heruntergesteuert" werden, wie es im eigenen Jargon heißt – das seit Donnerstagabend bestehende Flugverbot also wieder verlängert werden?