Im Gegensatz zur Bundesregierung sieht Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber keine ernste Gefahr für den Flugverkehr durch die Vulkanasche-Wolken. Die Durchmischung der Wolken sei mittlerweile so groß, dass hierzulande keine Gefahr bestünde, sagte Mayrhuber im ZDF.

Die Testflüge der Lufthansa und anderer Airlines hätten alle keine Schäden an den Maschinen gezeigt. Zur Frage, ob in Europa der Flugbetrieb derzeit möglich sei, sagte Mayrhuber: "Ja, das sagen wir ganz klar", auch wenn es vielleicht "Eingrenzungen" geben könne. "Wir würden niemals etwas aufs Spiel setzen", aber mit den vorliegenden Daten müsse gearbeitet werden, sagte der Lufthansa-Chef. 

"Wir sprechen von Aschewolken – in den letzten drei Tagen konnte man von Flensburg bis Berchtesgarden keine einzige Wolke sehen", sagte er. Niemand wolle durch eine Vulkanasche-Wolke fliegen. "Aber was wir in den vergangenen Tagen gesehen haben, ist alles andere als Gefährdungspotenzial".

Die Erkenntnisse des Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) in London will der Lufthansa-Chef nicht ernst nehmen. "Wenn in England ein Institut sitzt, das einen Vulkanausbruch aus Island mit mathematischen Modellen fortrechnet und dann uns erklärt, was in Deutschland in Hannover, in Hamburg, in Berlin zu welcher Stunde passiert, dann darf man das nicht mehr ernst nehmen", sagte er.

Die derzeit von einigen Fluggesellschaften organisierten Testflüge seien mit regulären Passagierflügen nicht zu vergleichen, sagte die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS), Kristina Kelek dem Bayerischen Rundfunk. "Die Maschinen waren nicht mit Passagieren besetzt, weil sie nach Sicht geflogen sind", sagte sie. Flüge auf Sicht erfolgten in der Regel in anderen Lufträumen als Passagierflüge.Für die Deutsche Flugsicherung stehe die Sicherheit in diesen Dingen an erster Stelle. "Und wir möchten einfach kein Risiko im deutschen Luftraum im Moment eingehen", sagte Kelek.

Die finnische Luftwaffe warnte ebenfalls vor ernsthaften Auswirkungen des Vulkanstaubes auf Flugzeuge. Finnische Kampfflugzeuge hatten nach dem Durchqueren einer Aschewolke Schäden erlitten. Selbst kurze Flüge durch eine derartige Wolke könnten zu erheblichen Beeinträchtigungen führen, teilte die finnische Armee mit. Untersuchungen hätten gezeigt, dass durch die Hitze des Antriebs der Maschine die Asche geschmolzen sei und die Belüftungskanäle verstopft habe.

Der europäischen Flugsicherung Eurocontrol zufolge fanden am Sonntag lediglich 5000 der normalerweise 24.000 Flüge statt. Der Lufthansa und anderen Airlines entgeht dadurch massiv Umsatz. Der Konzern behielt sich Regressansprüche vor.

Die Lufthansa kritisierte, dass die Verbote nur wegen theoretischer Annahmen auf Basis von Computerberechnungen und nicht aufgrund von Messungen erfolgt seien. Mayrhuber forderte eine bessere Abstimmung in Europa. Verschiedene Behörden seien zu anderen Ergebnissen gekommen, bemängelte er.

Verkehrsminister Peter Ramsauer wies die Kritik jedoch zurück. Sicherheit stünde an oberster Stelle. Er lasse sich nicht von "zweckgebundenen" Aussagen von Unternehmen unter Druck setzen, sagte er. Dass der Lufthansa unterstellt würde, ihr ginge Umsatz vor Sicherheit sei "ungeheuerlich", entgegnete Mayrhuber.