Angesichts der exorbitant steigenden Kosten für seine Staatsschulden kann Griechenland auf den Finanzmärkten kein Geld mehr aufnehmen. Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit auf "Ramschstatus" herunter, drei Stufen niedriger als bisher: Das Land werde nun nur noch mit BB+/B bewertet, teilte S&P mit. Der Ausblick sei negativ.

Die Regierung reagierte besorgt. "Es ist nunmehr ein klar europäisches Thema", sagte ein Regierungssprecher im griechischen Radio wenige Minuten nach der Abwertung. Es war das erste Mal, dass ein Sprecher so schnell auf eine Abwertung reagierte. Weil das Land kein Geld mehr leihen könne, müsse die Hilfe der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds bis zum 19. Mai bereit stehen, sagte Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou.

Bis dahin braucht das Land neues Geld, um alte Verbindlichkeiten zu bezahlen. Da für die griechische Regierung der Zugang zu den Märkten "unmöglich" sei, müsse "die Prozedur bis zu diesem Datum beendet, bestätigt und unterschrieben sein", sagte Papakonstantinou. Es war das erste Mal, dass Athen offiziell erklärte, nicht mehr kreditwürdig zu sein.

Die Kosten für die Schulden Griechenlands stiegen derweil auf immer neue Rekordwerte: Investoren verlangten für zehnjährige griechische Staatsanleihen eine Rendite von 9,622 Prozent. Deutschland muss für seine als sicher geltenden Papiere gerade einmal rund drei Prozent zahlen. Noch teurer wurden zweijährige Staatsanleihen aus Griechenland, deren Rendite auf 14,96 Prozent stieg.

"Die Geldeinlagen in Griechenland sind sicher", beschwichtigte der Regierungssprecher. Die Verhandlungen mit dem IWF und der EU gingen bald zu Ende. Wir werden bald Unterstützung bekommen, hieß es. "Die Moral in der Regierung ist sehr gut. Wir tun was richtig ist". Ministerpräsident Giorgios Papandreou hatte in einer emotionalen Rede seine Landsleute zum Zusammenhalt aufgerufen: "Griechenland geht durch eine der schwierigsten Phasen seiner Geschichte", sagte er und warb um Verständnis im Volk. Trotz der schwierigen Lage lagen öffentliche Verkehrsmittel in Athen lahm. Und zahlreiche Gewerkschaften kündigten weitere Streiks für Anfang Mai an.

Auch die Preise für Kreditversicherungen auf griechische Staatsschulden erreichten neue Rekordwerte. In der Folge stiegen die Kosten für portugiesische und spanische Schulden. Die beiden südeuropäischen Staaten weisen ebenfalls eine hohe Staatsverschuldung aus. Die Entwicklung zog auch die internationalen Börsen in Mitleidenschaft: Der deutsche Aktienindex gab bis zum Abend 2,7 Prozent ab. Die Kurse an der Pariser Börse fielen um 3,8 Prozent, in London gaben die der wichtigsten Unternehmen 2,6 Prozent nach.

Auch Portugal stufte die Ratingagentur herab, von A+ auf das Niveau A-. Die Börse reagierte prompt: Kurse in Lissabon stürzten zum Handelsschluss um 5,36 Prozent. Die Beschäftigten im Lande streikten: Bahn- und Busverkehr kamen nach ersten Medienbilanzen im ganzen Land nahezu völlig zum Erliegen. Vom Ausstand betroffen war auch der für Lissabon wichtige Fährverkehr auf dem Fluss Tejo. Die Beteiligung lag nach Gewerkschaftsangaben zwischen 40 und 80 Prozent. 20.000 Menschen sollen sich danach an den Aktionen beteiligt haben.

Die sozialistische Minderheitsregierung von Ministerpräsident José Sócrates will mit einem strikten Sparprogramm das Rekord- Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 8,5 Prozent im laufenden Jahr und auf 2,8 Prozent bis 2013 drücken. Projekte wie die Hochgeschwindigkeitsbahn nach Spanien werden um zwei Jahre verschoben. Durch Privatisierung von Staatseigentum erhofft man sich in Lissabon zusätzliche Einnahmen von sechs Milliarden Euro. Das Defizit in Portugal ist allerdings niedriger als im krisengeschüttelten Griechenland. Dort hatte es 2009 bei 13,6 Prozent gelegen.

Griechenland hatte die Staaten der Euro-Zone am Freitag um Milliardenhilfe gebeten. Ein zuvor vereinbarter Hilfsmechanismus sieht vor, dass das Land dieses Jahr bis zu 30 Milliarden Euro Notkredite von den Euroländern erhalten kann. Deutschland würde dazu bis zu 8,4 Milliarden Euro beitragen. Weitere bis zu 15 Milliarden Euro könnten vom Internationalen Währungsfonds kommen.

Die EU will das Milliarden-Hilfspaket für Griechenland bald fertig haben. Die Arbeiten kämen gut voran und sollten Anfang Mai abgeschlossen sein, sagte eine EU-Kommissionssprecherin.

Politiker der Regierungskoalition in Berlin erneuerten allerdings ihre Forderung, die griechischen Sparpläne als Voraussetzung für Hilfen ausführlich zu prüfen. SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier kündigte zudem an, die SPD werde ihre Zustimmung zu einem Gesetz für die Hilfen verweigern, wenn Deutschland nicht die Bankenbranche an der Rettung Griechenlands beteilige.

Die Eurogruppe wird nach Informationen aus EU-Kreisen möglicherweise in wenigen Tagen ein Sondertreffen zur Freigabe der Kredithilfen für Griechenland einberufen. "Es findet ein sehr intensiver Austausch statt über die Idee eines außerordentlichen Gipfels der Euro-Gruppe am 10. Mai in Brüssel", sagte ein Vertreter der spanischen EU-Ratspräsidentschaft.