Der griechische Regierungschef Giorgios Papandreou bezeichnet den Hilfsplan als Waffe zur Abschreckung, in Berliner Regierungskreisen heißt es, die Feuerwehr sei jetzt mit Wasser versorgt, müsse aber nicht ausziehen. Noch herrscht allenthalben die Hoffnung, dass Athen die letzte Karte – den Rückgriff auf das milliardenschwere Nothilfe-Programm der anderen Eurostaaten – nicht ausspielen muss. Aber ist diese Hoffnung berechtigt?

Am Sonntag hatten die Euroländer beschlossen, Griechenland im Notfall für das erste Jahr Kredite von bis zu 30 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, weitere mindestens zehn Milliarden Euro kämen vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Einigung sorgte am Finanzmarkt für Entspannung. Zum einen stieg der Euro gegenüber dem US-Dollar und weiteren wichtigen Währungen. Zum anderen sank die Rendite der zehnjährigen griechischen Staatsanleihen um rund 60 Basispunkte auf 6,6 Prozent. Vorige Woche lag er zeitweise noch bei fast 7,4 Prozent.

Am Markt hat sich damit eine erste Entspannung breit gemacht. Experten warnen jedoch vor zu viel Euphorie: "Die Risikoaufschläge werden nicht so weit sinken, dass der Marktzins sich dem des EU-Hilfsprogramms angleicht", erwartet Michael Schröder, Finanzmarktexperte des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Als Grund nennt er im Gespräch mit ZEIT ONLINE: "Der Markt gibt Griechenland Kredite ohne weitere Konditionen, während die Finanzhilfe der Euroländer an Bedingungen geknüpft ist, auch wenn man diese im Detail noch nicht kennt."

Und genau darin liegt ein mögliches Problem. Dadurch dass die EU günstigere Konditionen biete als der Markt, sei die Wahrscheinlichkeit gestiegen, das Griechenland die EU-Hilfen in Anspruch nehme, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Er verweist zudem darauf, dass die Euroländer es den Griechen einfacher gemacht hätten, Kredite anzufordern: Die Formulierung vom 25. März, die Hilfen seien die "Ultima Ratio", finde sich im Kommuniqué der Euroländer vom Sonntagabend nicht mehr. Stattdessen könne das Hilfsprogramm starten, wenn es "gebraucht" werde, Griechenland also Bedarf anmelde.

Die griechische Regierung betont nach wie vor, die Anforderung der Hilfe sei das allerletzte Mittel. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou hofft, dass seine Regierung weiterhin in der Lage sein wird, sich problemlos am Kapitalmarkt zu finanzieren. Inwieweit dies gelingen wird, hängt laut ZEW-Experte Schröder von der Aufnahmefähigkeit des Marktes ab – und von der Art der Auflagen. "Wichtig wird sein, sehr harte Auflagen zu machen, also konkrete, auch schmerzhafte, Eingriffe in die Wirtschaftspolitik zu fordern und dann auch zu überprüfen. Die Griechen dürfen nicht den Eindruck bekommen, es koste sie nicht viel, auf die Finanzhilfen zurückzugreifen."