Es ist schon eine Krux mit der öffentlichen Meinung. Bürgschaft, Bürgschaft, Bürgschaft, das allein möchte Wolfgang Schäuble dem Bürger einbläuen. "Es geht hier nicht um den sorglosen Umgang mit Steuergeldern, es geht überhaupt nicht um Haushaltsgelder", diktiert der Bundesfinanzminister also den versammelten Journalisten in die Notizblöcke.

Indes: Der Bürger beurteilt die Griechenland-Hilfe ganz anders. Seien es – völlig unrepräsentative – Straßenumfragen bei Anne Will in der ARD oder manche Kommentare von Zeitungslesern. In der Bevölkerung ist der Eindruck entstanden, dass Deutschland den Griechen Milliarden Euro gibt. Womöglich gar schenkt. Oder die Summe zumindest wohl niemals wieder sieht.

Schäuble will dem Eindruck entgegentreten und die Bürger so kurz vor der Landtagswahl in NRW von der Notwendigkeit der Finanzhilfe überzeugen: Alles Unsinn, sagt er und nimmt wieder das B-Wort in den Mund: "Es geht um eine Bürgschaft." Die Bundesregierung plant, den Hellenen in diesem Jahr bis zu 8,4 Milliarden Euro als Kredit zu gewähren, über die staatliche Bankengruppe KfW. Das Risiko für diesen Kredit übernähme dann der Bund, eben als Ausfallbürgschaft. Der CDU-Minister hat recht: Bis hierhin fließt kein einziger Steuer-Cent.

Doch es bleibt das Risiko, dass die KfW womöglich irgendwann auf die Bürgschaft zurückgreifen muss. Auch diesem kritischen Blick in die Zukunft versucht Wolfgang Schäuble zu begegnen. "Griechenland hat bislang alle fälligen Kredite bedient", betont der Minister. Damit dies den Griechen beim nächsten Mal – nämlich am 19. Mai, wenn 8,5 Milliarden Euro fällig werden – überhaupt gelingen kann, wurde just das jetzt diskutierte Hilfspaket geschnürt.

Aber wie soll Athen den Kredit an seine Euro-Partner zurückzahlen, wenn der Stichtag kommt? Das weiß heute natürlich niemand, doch auch hier versucht Schäuble zu beruhigen: Ziel des von Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Griechenland verhandelten Sanierungsprogramms sei nicht allein der Abbau des enormen Defizits, sondern auch, die griechische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig zu machen. Sprich: Die Kredite sollen dafür sorgen, dass Griechenland Zeit bekommt, den Haushalt zu sanieren und das Land zu reformieren, um dann die Kredite bestenfalls aus eigenen Einnahmen zu tilgen.

Entscheidend ist, wie das Sanierungsprogramm aussieht, an dem in Athen derzeit gearbeitet wird. Deshalb hatte Berlin unmittelbar nach dem Hilferuf aus Athen am vergangenen Freitag ein wenig gebremst und war dafür prompt am Wochenende auf der IWF-Frühjahrstagung in Washington gerüffelt worden. Dem begegnet Schäuble am Montag, indem er deutlich macht, dass Deutschland seinen Verpflichtungen pünktlich nachkommen werde.