Die Ratingagentur Standard & Poor's hat jetzt auch die Kreditwürdigkeit von Spanien um eine Note auf "AA" gesenkt. Eine weitere Herabstufung Spaniens sei möglich, hieß es in einer Mitteilung. Der Ausblick spiegele wider, dass sich die Haushaltslage in dem Land schlechter als erwartet entwickele.

Nach dem hochverschuldeten Griechenland gilt Spanien neben Portugal als weiterer finanzpolitischer Wackelkandidat der Euro-Zone. Spanien hatte vor der Krise noch von S&P die Bestnote AAA erhalten.
Die Börse in Madrid schloss nach der Herabstufung des Landes durch Standard & Poor's mit 2,99 Prozent im Minus.

Am Dienstag hatte die Ratingagentur bereits die Kreditwürdigkeit von Griechenland und Portugal herabgestuft und damit besonders die finanzpolitischen Handlungsmöglichkeiten der Regierung in Athen weiter eingeschränkt. Wie andere Wertpapiere werden auch Staatsanleihen von den Ratingagenturen bewertet. Ihre Empfehlungen sind ein wichtiges Signal für die Kreditwürdigkeit eines Landes. Bei unsoliden Finanzen verlangen die Märkte von den Staaten höhere Zinsen für die Kredite – sozusagen als Preis für das erhöhte Ausfallrisiko. Das Schuldenmachen ist für den betroffenen Staat dann teurer.

Ob die Furcht der Anleger vor einer Ausweitung der griechischen Schuldenkrise auf andere Euro-Staaten damit bestätigt worden ist, muss sich noch zeigen. Der Dax reagierte prompt auf das Bekanntwerden der Herabstufung. Der Leitindex gab nach seinem 2,7-prozentigen Vortagesrutsch zur Eröffnung 0,3 Prozent auf 6141 Punkte nach; mittlerweile liegt er noch deutlich niedriger bei 6084,34 Punkten.

Unter Verkaufsdruck standen dabei die Deutsche Bank und die Commerzbank, deren Aktien sich um jeweils rund ein Prozent auf 51,94 beziehungsweise 6,04 Euro verbilligten. Der europäische Branchenindex gab ebenfalls um ein Prozent nach.

Die Börsen hatten bereits am Dienstagabend nachgegeben, als das Rating für griechische Staatsanleihen von Standard & Poor's auf das Ramschniveau "BB+" gesenkt wurde. Zusätzliche Besorgnis löste die Nachricht aus, dass auch das Euroland Portugal, das ebenfalls mit einem großen Defizit zu kämpfen hat, erneut herabgestuft wurde. Experten warnen bereits gestern vor einer Kettenreaktion.

Der Euro, der sich am Morgen leicht von seinen Vortagesverlust erholt zu haben schien, sank nach der Herabstufung Spaniens auf ein neues Tief von 1,3116 US-Dollar. Das ist der tiefste Stand seit knapp einem Jahr.

Für das von einer Staatspleite bedrohte Griechenlands wird es nach der Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit noch teurer, sich neues Geld an den Kapitalmärkten zu besorgen. Athen braucht bis zum 19. Mai aber dringend 8,5 Milliarden Euro für eine fällige Staatsanleihe. Die nochmals deutlich gestiegene Unsicherheit über die Zukunft Griechenlands hat die Rendite der zweijährigen griechischen Staatsanleihen am Mittwoch auf fast 25 Prozent getrieben.

Die griechische Börsenaufsicht hat unterdessen zum zweiten Mal in der Wirtschaftskrise Leerverkäufe an der Athener Börse untersagt. Die Behörde begründete das bis zum 28. Juni geltende Verbot mit den außergewöhnlichen Bedingungen auf dem griechischen Börsen-Parkett. Bei Beginn der Krise im Oktober 2008 war diese Art von Handel schon einmal bis Juni 2009 verboten worden. Bei Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse von Wertpapieren oder Währungen. Sie leihen sich Aktien von anderen Anlegern, verkaufen diese und versuchen, sich anschließend billiger damit einzudecken.

Am Dienstag hatten Aktien an der Athener Börse sechs Prozent verloren, Werte von Banken gingen sogar um neun Prozent nach unten.