Was ist hier eigentlich los? Die Bild-Zeitung kreischt "Angst um unser Geld". Die Frankfurter Allgemeine lässt sich ausgerechnet von einem fundamentalistischen Europa-Kritiker, dem tschechischen Präsidenten Václav Klaus, bestätigen, der Euro sei an der griechischen Tragödie Schuld. Die Welt beruft sich auf Erich Honecker, um einen vermeintlichen Fortschrittsautomatismus in der Europäischen Union zu geißeln und erzählt dem geneigten Leser, was die Hellenen alles erreichen könnten, wenn sie nur die Drachme wieder hätten. Geht’s noch?
 
Ja, Griechenland und mit ihm die Euro-Zone stecken in einer schweren Krise. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: Eine Währungsunion ohne abgestimmte Finanzpolitik; eine Kommission und Mitgliedsländer, die immer wieder gegen die eigenen Regeln verstoßen;  ein Ungleichgewicht der Volkswirtschaften, von denen einige stärker geworden sind, andere gerne auf Kredit gelebt haben. Die Liste ließe sich fortschreiben.
 
Es gibt also eine Menge zu kritisieren an Europas Währungsunion. Sie braucht strengere, unbeugbare Regeln. Diese müssen mit Sanktionen bewehrt werden, im schlimmsten Fall bis hin zum Austritt aus der Währungszone.

Aber die Art und Weise, wie einige, vornehmlich bürgerliche Blätter, in diesen Tagen Angst und Ressentiments schüren, ist schwer erträglich.  Und sie ist kontraproduktiv. Denn sie verschleiert, dass Europa nicht umhin kommen wird, Griechenland zu retten. Dass dies längst beschlossene Sache ist, verabredet am 25. März, als sich die Regierungschefs der EU in Brüssel trafen und das Rettungspaket beschlossen. Dass wir anderenfalls Gefahr laufen, abermals tief in die Finanzkrise zu rutschen. Dass weitere Länder wie Portugal, Irland, Spanien sonst die nächsten wären, die von Spekulanten attackiert werden. 

Als die Finanzkrise im Herbst 2008 ihren ersten Höhepunkt erreicht hatte, lud die Kanzlerin die Chefredakteure der wichtigen Zeitungen und Rundfunkhäuser des Landes zu sich ins Kanzleramt. Damals bat sie darum, die Angelegenheit mit der nötigen Ruhe und Sorgfalt zu berichten. Kein Maulkorbversuch, aber doch der Hinweis, welche Wirkung Medien – unter anderem auf die Finanzmärkte – erzielen können und welche Verantwortung ihnen deshalb zukommt. In mancher Redaktionsstube sollte man sich heute daran erinnern.