Unter der Bezeichnung Piigs werden nicht sehr liebenswürdig die fünf Staaten zusammengefasst, bei denen eine erhöhte Gefahr einer Staatspleite vermutet wird – das Wortspiel mit dem englischen Begriff pig (Schwein) ist gewollt. Doch ist es richtig, Portugal, Italien, Irland und Spanien mit Griechenland in einem Atemzug zu nennen?

Portugal – auf dem richtigem Weg

Die Situation:

Portugal kommt bislang besser durch die Krise als die Mehrzahl der anderen EU-Staaten: Im vergangenen Jahr schrumpfte die Wirtschaft lediglich um 2,7 Prozent – Portugal lag damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Allerdings leidet das Land schon seit Längerem unter einer relativ schwachen Wirtschaftskraft. Selbst im jüngsten Aufschwung wuchs das Land nur unterdurchschnittlich. Ein Grund: Die wichtige Textilbranche kann immer weniger mit günstigeren Wettbewerbern aus Osteuropa und Asien konkurrieren.

Der Regierung ist es aber gelungen, durch Sozialreformen und ein erfolgreicher Kampf gegen Steuerhinterziehung die Haushaltslage erheblich zu verbessern. Die Wirtschaftskrise führte jedoch zu einem erneuten Einbruch bei den Einnahmen. Die Neuverschuldung hat sich mehr als verdreifacht und erreichte 2009 9,4 Prozent des Bruttosozialprodukts (BIP). Die Gesamtverschuldung stieg auf rund 77 Prozent des BIP, erwartet wird ein Anstieg auf über 80 Prozent.

Die Bewertung:

Die sozialistische Regierung in Lissabon betont, dass ihre Lage mit der Griechenlands nicht vergleichbar sei. Dem stimmt auch Jens Boysen-Hogrefe vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel zu. "Die Gleichsetzung ist nicht gerechtfertigt, der Konsolidierungsbedarf ist in Portugal viel geringer, und die Regierung macht die Schritte in die richtige Richtung", sagt er ZEIT ONLINE. Bis 2013 will die Regierung das Defizit auf 2,8 Prozent senken. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso mahnt aber, der Sparplan müsse entschlossen umgesetzt werden.

Genau daran hegen die Finanzmärkte Zweifel. Die Ratingagentur Standard & Poor's senkte die Bewertung von Portugals Bonität von A+ auf A-, damit liegt das Rating aber immer noch deutlich über dem Ramschstatus für Griechenland. Dennoch erreichten die Risikoaufschläge auf portugiesische Anleihen anschließend einen neuen Rekordwert. "Die Lage ist im Grunde ähnlich wie in Griechenland", sagt Ökonom Jörg Hinze vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). "Die Märkte haben in beiden Ländern nicht den Eindruck, dass die Sparmaßnahmen innenpolitisch mitgetragen werden."

Als Beleg dient ein Blick in die jeweiligen Hauptstädte: Ähnlich wie in Athen gehen auch in Lissabon sowie anderen portugiesischen Städten Tausende auf die Straße, um gegen den Sparkurs zu demonstrieren.

IfW-Konjunkturforscher Boysen-Hogrefe warnt aber davor, die Proteste überzubewerten. "Auch in Deutschland gab es Kritik und Proteste, als unpopuläre Maßnahmen umgesetzt wurden. Aber die handelnden Politiker in Portugal haben den Ernst der Lage erkannt und wissen um die strukturellen Probleme, die jetzt angepackt werden müssen." Dazu zählt etwa das zu hohe Lohnniveau, das die Wettbewerbsfähigkeit einschränkt.