Rehn sagte, die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) sollten das Paket bis Anfang Mai verfügbar machen. "Wir arbeiten sehr intensiv daran." Die Entscheidung liege in den Händen der Euro-Mitgliedsländer und die müssten alle entsprechend ihrer verfassungsrechtlichen Grundlagen vorgehen. "Wir sollten in der Lage sein, die Arbeit an dem gemeinsamen Programm bis Anfang Mai abzuschließen", sagte er.

Auch US-Finanzminister Timomthy Geithner mahnte nach dem G-20-Treffen zur Eile. "Lassen sie mich sagen, das ich den größeren Sinn für die Dringlichkeit des Problems begrüße, den wir beobachten." Die Art, wie die griechischen Behörden, die Europäer und der IWF mit einem Maßnahmenpaket aus scharfen Reformen im Wirtschaftsleben gepaart mit substanziellen und konkreten finanziellen Hilfen schnell handelten, sei ermutigend.

Das überschuldete Griechenland hatte am Freitag bei seinen europäischen Partnern und dem IWF die Aktivierung des vor wenigen Wochen ausgehandelten Nothilfe-Kreditprogramms im Umfang von bis zu 45 Milliarden Euro beantragt. Es ist damit das erste Mitgliedsland der Euro-Zone, das diesen Weg angesichts seiner Finanzprobleme gehen muss.

Auslöser waren wachsende Befürchtungen von Investoren an den Kapitalmärkten, dass Griechenland in eine Staatspleite abrutschen könnte. Das hatte die Kreditkosten für das Land auf Rekordhöhen ansteigen lassen. Die Bemühungen der griechischen Regierung um den Abbau seiner Milliarden-Schulden werden dadurch sehr erschwert.

Die Griechenland-Krise war beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G-20 in Washington ein Thema, wie der deutsche Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen sagte. Rehn informierte die Runde nach eigenen Angaben in einer kurzen Diskussion über die jüngste Entwicklung in dem südeuropäischen Euro-Land.

SPD-Chef fordert Aufklärung von Angela Merkel

Sigmar Gabriel hat die Bundeskanzlerin aufgefordert, den Steuerzahler umgehend über die Höhe des deutschen Anteils an dem Rettungspaket aufzuklären. "Ein Gesetz mit klaren Angaben zu den Belastungen für die Deutschen muss umgehend auf den Tisch", sagte SPD-Parteichef Gabriel der Passauer Neuen Presse. Merkel müsse die volle Wahrheit sagen – nicht nur, wie hoch die Belastung für dieses Jahr ausfällt, sondern auch, welche Forderungen in der Zeit danach auf Deutschland zukommen.

"Wir wollen die gesamten maximalen Kosten des Dreijahres-Programms kennen", sagte Gabriel der Zeitung. Dass die Griechenlandhilfe nicht direkt über den Bundeshaushalt sondern über KfW-Kredite abgewickelt werden solle, heiße nicht, dass keine Risiken bestünden, sagte der SPD-Vorsitzende weiter. "Es kann teuer werden für die deutschen Steuerzahler." Deren Geld dürfe nicht dazu verwendet werden, deutsche Banken zu retten, die sich jetzt in Griechenland verspekuliert hätten. Die Banken müssten deswegen an der Sanierung Griechenlands beteiligt werden – "etwa indem sie als Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten", forderte Gabriel. Künftig müsse darüber hinaus jegliches "Zocken mit Kreditversicherungen" in Europa verboten werden.

Auch die Bundeskanzlerin hat die exzessiven Spekulationen an den Finanzmärkten kritisiert. "Dies haben wir insbesondere jetzt auch am Beispiel Griechenland gesehen", sagte Merkel in ihrem wöchentlichen Video-Podcast. Die EU-Kommission sei deshalb beauftragt worden, Vorschläge für ein Verbot bestimmter Finanzprodukte auszuarbeiten. Zugleich forderte Merkel eine stärkere internationale Abstimmung bei der Regulierung der Finanzmärkte. Kommende Woche wird sie sich dazu in Berlin mit Vertretern etwa des Internationalen Währungsfonds (IWF), der OECD, der Weltbank und der Welthandelsorganisation (WTO) treffen. Das Thema beschäftigt auch die IWF-Frühjahrstagung in Washington am Wochenende.

“Griechenland sollte ernsthaft erwägen, aus dem Euro-Raum auszutreten"

Die CSU hat die Regierung Griechenlands aufgefordert, den Ausstieg aus der Europäischen Währungsunion zu prüfen. "Griechenland hat nicht nur ein Liquiditäts-, sondern auch ein grundsätzliches Wachstums- und Strukturproblem", sagte CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich dem Spiegel. Deshalb solle das Land "ernsthaft erwägen, aus dem Euro-Raum auszutreten". Ein solcher Schritt dürfe nicht zum Tabu erklärt werden.