Als vor einigen Monaten die Amerikaner anrückten, dachte sich Förster Hendrik Nadolski noch nicht viel dabei. Der Bergwerk-Konzern Minera in Panama interessierte sich für die Kupfervorkommen unter der Erde Sprembergs. Arbeiter legten einen Schotterweg in Nadolskis Revier, ein Bohrturm wurde errichtet. Geologen und Bohringenieure holten Gestein aus bis zu 1500 Metern Tiefe. Schlamm, Erde und dicke schwarze Brocken. Nadolski blieb skeptisch, er hielt die Idee mit dem Kupfer für etwas verwegen, versuchte den Lärm und die abgeholzten Bäume zu ignorieren. Zuletzt wurde in der Lausitz nach Öl gesucht, der Traum vom schwarzen Gold in Brandenburg hatte sich nicht erfüllt.

Vor wenigen Tagen verkündete Minera aber die sensationelle Nachricht: 200 Millionen Tonnen Kupfererz könnten in Südbrandenburg zu Tage gefördert werden. Ein Milliardengeschäft, angesichts der steigenden Preise für den Rohstoff. "Mit den daraus resultierenden zwei Millionen Tonnen Kupfermetall ist die Lagerstätte doppelt so groß wie erwartet", sagte Volker Spieth. Spieth ist Geschäftsführer der Kupferschiefer Lausitz GmbH, kurz KSL, einer hundertprozentigen Minera-Tochter, die zum geplanten Abbau des Kupfererzes gegründet wurde. Knapp 15 Milliarden Euro sind die Kupfererzvorkommen zurzeit wert. Dazu kommen rund 25 Spezialmetalle. Gold, Silber, Platin oder Blei. Geschätzter Wert aktuell: weitere 20 Milliarden Euro. 

Dass es in der Lausitz Kupfer gibt, ist schon länger bekannt. Ende der achtziger Jahre aber stoppte die DDR die unterirdische Erforschung der Erzvorkommen. Damals lag der Weltmarktpreis für Kupfer bei 2000 Dollar. Man befand, dass das Bergwerk zu dieser Zeit zu unrentabel sei. 

Inzwischen ist Kupfer ein begehrter Rohstoff. Metall-Diebstähle häufen sich, Kupferleitungen werden abmontiert und weggeschafft, ganze Kabelrollen werden von Schrottplätzen gestohlen. Pro Tonne wird aktuell rund 7844 Dollar bezahlt, teilweise lag der Preis schon bei 9000 Dollar. Auch Edelmetalle sind begehrt, sie nutzen der Hightech-Industrie, zur Herstellung von Handys, Flachbildschirmen, Katalysatoren, Solarzellen oder Hybridmotoren.

Dass der Rohstoffschatz ausgerechnet in der Lausitz gefunden wurde, lässt Politiker nun in einen regelrechten Kupferrausch verfallen. Südbrandenburg ist eine krisengeschüttelte Region, rund um Cottbus gibt es an die 16 Prozent Arbeitslosigkeit. Es soll nun eine Renaissance des Bergbaus geben. Mit einem neuen Kupferbergwerk, dem einzigen, das dann in Deutschland existiert. Mehrere hundert Millionen Euro will der deutsch-amerikanische Konzern investieren, man rechnet mit einer Förderzeit von mindestens 40 Jahren.

Sprembergs Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) jubelte am vergangenen Mittwoch: "Wir kämpfen gegen Abwanderung der Jugend und gegen Überalterung, da ist das Bergwerk ein echtes Glück." Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) versprach einen unbürokratischen Weg bei der Genehmigung des Bergwerks. An der schnellen Realisierung hat Brandenburg großes Interesse: Das Land kann eine gesetzlich festgelegte Förderabgabe erheben, die bei zehn Prozent der erzielten Metallpreise liegt. Der Antrag der KSL auf Verleihung der Bergrechte ist bereits gestellt. Ende Mai, so kündigte das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in Cottbus an, soll der Bewilligungsbescheid erfolgen.