Die moderne Marktwirtschaft entspricht dem Menschen nicht, man muss sie in ihrer Dynamik hemmen. Das ist im Wesentlichen die These von Prof. Thielemann, zu der Carl Christian von Weizsäcker das Notwendige geschrieben hat.

Der freiheitsstiftende Aspekt von Wettbewerb darf nicht untergehen, nicht im Diskurs, nicht in der Gesellschaft. Selbst der Bankenwahnsinn zeigt gerade nicht, dass uns die soziale Marktwirtschaft in den Abgrund zieht – sondern das Gegenteil. Auch der Finanzsektor braucht einen Ordnungsrahmen auf der Höhe der Zeit, wie die Wirtschaft insgesamt.

Natürlich entwickelt sich nicht nur die Ökonomie weiter; samt der Märkte, denen tatsächlich eine Tendenz zum Überdrehen innewohnt. Auch die Ökonomen denken weiter. Nicht zuletzt haben sie einen neuen Ansatz entwickelt, der auf dem tatsächlich zu beobachtenden – keineswegs immer rationalen und egoistischen – Verhalten der Konsumenten, Sparer oder Unternehmer fußt. Aus dieser Forschung und diesen Überlegungen ergeben sich spannende Folgen für die Bewertung und Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft. Lassen Sie mich das beispielhaft an der Forschung darüber darstellen, was Menschen dauerhaft zufrieden macht.

Wer hätte gedacht, dass die Ökonomen überhaupt zu einem ihrer Ursprünge aus dem 19. Jahrhundert zurückkehren würden, zur Erforschung dessen, was uns glücklich macht? So schön hatte ihre Disziplin diese Frage verschwinden lassen unter einem radikal subjektiven Nutzenkonzept. Was immer wir wählen, so sagt diese Theorie, zeigt, was besonders stark zu unserem Glück beiträgt.

Man könnte diese Theorie als Ausdruck absoluten Vertrauens in die Menschen beschreiben, oder angesichts ihrer offensichtlichen Defizite auch als wirklichkeitsfern. Jedenfalls zeigen Verhaltensökonomen nunmehr seit Jahrzehnten mit empirischen, experimentellen und neurowissenschaftlichen Mitteln, dass Menschen keineswegs immer das wählen, was im Sinne ihres erlebten Nutzens oder auch des vorgestellten Nutzens optimal wäre.

Bye, bye, homo oeconomicus, winken diese Forscher. Und mit ihnen ist der Weg zur Glücksforschung nicht mehr weit.

Die wirkt auf den ersten Blick merkwürdig widersprüchlich. Einerseits erklärt sie, die Menschen sollten sich mitunter vom Materiellen entfernen. Andererseits zeigt sie, dass die Zufriedenheit vor allem in Ländern mit viel wirtschaftlichem Freiraum, viel Arbeit und Wohlstandswachstum zu Hause ist. Die Menschen brauchen anscheinend die Freiheit zum Wettbewerb und zur Leistung – aber worin die Wertschöpfung besteht, ist eben offen. Ein veränderter Kapitalismus wird vorstellbar, glücksaufgeklärt sozusagen. Er ist nicht weicher als der alte, auch nicht von staatlichen Regeln und Verboten durchzogen, aber doch besser darin, unter den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen Zufriedenheit zu erzeugen.