Griechenland wird angesichts der drohenden Staatspleite die Finanzhilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen. "Ich habe die entsprechende Anweisung an das Finanzministerium gegeben", sagte Ministerpräsident Giorgios Papandreou in einer Fernsehansprache an das griechische Volk. "Es ist zwingend, dass wir um die Aktivierung des Rettungsmechanismus bitten."

Papandreou sagte, die Hoffnung, die internationalen Märkte würden positiv auf das griechische Sparprogramm und den Hilfeplan der EU reagieren, habe sich nicht erfüllt. Griechenland laufe Gefahr, dass wegen der Spekulanten alle Sparanstrengungen zunichte gemacht werden. Aus diesem Grund sei Athen gezwungen zu handeln.

Die EU bestätigte den Antrag der griechischen Regierung. Währungskommissar Olli Rehn sagte: "Das läuft jetzt alles automatisch ab." Der Hilfsantrag muss von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF geprüft werden. Ein Kommissionssprecher ergänzte, die EU-Behörde werde den Antrag gemeinsam mit der EZB so schnell wie möglich prüfen. "Die Analyse wird sicher keine Wochen, sondern Tage dauern." Zunächst werde die Kommission eine Empfehlung für die Euroländer ausarbeiten. Auf dieser Grundlage müssten dann deren Staats- und Regierungschefs über die Zahlung der Hilfen entscheiden.

Griechenland braucht bis zum 19. Mai mehr als acht Milliarden Euro, um einen auslaufenden Kredit zu refinanzieren. Am Kapitalmarkt kann das hoch verschuldete Land frisches Geld derzeit aber nur zu sehr hohen Zinsen aufnehmen. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass das griechische Haushaltsdefizit im vergangenen Jahr noch höher ausgefallen ist als ursprünglich angegeben. Daraufhin stieg der Risikoaufschlag für griechische Staatspapiere erneut auf ein Rekordhoch. Nach Bekanntwerden der Hilfsanfrage sank der Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen. Auch der Euro legte im Verhältnis zum Dollar zu.

Die Euro-Staaten hatten zusammen mit dem IWF ein Hilfspaket geschnürt, nach dem Deutschland den Griechen in diesem Jahr mit maximal 8,4 Milliarden Euro helfen soll. Das Gesamtpaket der Europartner umfasst für dieses Jahr 30 Milliarden Euro, der IWF könnte weitere 15 Milliarden Euro zuschießen. In Athen verhandeln bereits Experten des IWF, der EZB und der Europäischen Kommission über die Modalitäten zur Hilfeleistung an die Griechen.

In Berlin betonte ein Regierungssprecher allerdings, dass Griechenland ohne ein fertiges Sanierungskonzept des IWF nicht mit Finanzhilfen der Euro-Partner rechnen könne. "Ein IWF-Paket ist Voraussetzung für die Aktivierung eines Hilfspakets", sagte er. Auch das Finanzministerium wies darauf hin, dass die griechische Regierung bisher noch keine Einigung mit dem IWF über die konkreten Sanierungsmaßnahmen des Staatshaushaltes für die Jahre 2011 und 2012 getroffen habe. Deutschland sei zur Solidarität bereit, hieß es. Aber dafür müssten die nötigen Voraussetzungen gegeben sein. Deutschland und die Eurozone seien aber auf jeden Fall kurzfristig handlungsfähig.

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn sagte, die Gespräche hätten gerade erst begonnen und würden noch einige Zeit brauchen. Zugleich wies er Berichte zurück, der IWF plane eine Umstrukturierung der griechischen Schulden, bei der Gläubiger Abschläge hinnehmen müssten. Diese Sorge hat in den vergangenen Tagen die Finanzmärkte beunruhigt.