Tanja Weber* ist eine echte Hoffnungsträgerin. In Fortbildungen macht die junge Sozialpädagogin Jugendliche mit schlechten Schulnoten oder fehlendem Abschluss fit für den Arbeitsmarkt. Zum Beispiel Teenager, die gerne Schreiner werden wollen. In einer Holzwerkstatt werkeln sie an ersten Handwerksarbeiten, bei Tanja Weber lernen sie im Klassenzimmer, wie sie sich erfolgreich auf eine Praktikums- oder Ausbildungsstelle bewerben.

Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme, (BvB) so der offizielle Name der Fortbildung, die ein privater Bildungsträger anbietet und das Arbeitsamt bezahlt. Für viele der schwer vermittelbaren Jugendlichen ist das die letzte Chance auf einen Start ins Berufsleben.

Doch Tanja Weber ist eine Retterin ohne Rückhalt, sie könnte bald selbst Hilfe benötigen. Von ihrem Arbeitgeber bekommt sie nur befristete Arbeitsverträge, sie ist ständig von Arbeitslosigkeit bedroht. Vor wenigen Wochen musste sie erleben, wie zehn ihrer Kollegen auf einen Schlag entlassen wurden. Unter den Zukunftsängsten und ständigen Personalwechseln leide auch die Qualität der Seminare, sagt Weber. "Es ist vorgekommen, dass Jugendliche mitten in einer Fortbildung eine neue Vertrauensperson bekamen. In diesen Fällen mussten wir quasi von vorne beginnen, um die problematischen Teenager von der Maßnahme zu überzeugen. Das macht unsere Arbeit kaputt", so Weber. 

Auch Peter Enders* kämpft mit den chaotischen Zuständen. Seit Jahren ist er als Bildungsbegleiter tätig. Im Auftrag verschiedener Bildungsträger hilft er Jugendlichen, den passenden Job oder den geeigneten Bildungsweg zu finden. "Viele Jugendliche haben ein feines Gespür für die vielen organisatorischen Missstände, die durch die unsicheren Arbeitsverhältnisse entstehen – und nutzen das aus", sagt Enders. So verweigerten vor allem problematische Schüler die Zusammenarbeit, wenn sie merkten, dass ihr Ansprechpartner ständig wechselt. Eine erfolgreiche Berufsvorbereitung sei so nur schwer möglich. "Effizient, zielführend und umfassend kann eine solche Betreuung nicht genannt werden", sagt Enders.

"Wegen der niedrigen Löhne müssen viele Fortbilder mehrere Jobs annehmen", sagt Stephanie Odenwald, Vorstandsmitglied der Bildungsgewerkschaft GEW. Die Pädagogen hätten keine Zeit mehr, sich mit Kollegen auszutauschen und ihre Arbeit zu reflektieren. "Die Gefahr der psychischen Zermürbung ist bei solchen Bedingungen nicht von der Hand zu weisen", warnt Odenwald. Aufgrund der vielen Missstände in diesem Bereich arbeite ihre Gewerkschaft momentan an einem Schwarzbuch "Beschäftigung in der Weiterbildung".