BP werde "alle nötigen und angemessenen Kosten für die Reinigung" übernehmen, hieß es in einer Mitteilung auf einer eigens eingerichteten Internetseite zu Ölpest im Golf von Mexiko. "Lassen Sie mich deutlich sein: BP übernimmt die Verantwortung für die Reaktion auf die Ölpest. Wir werden sie beseitigen", erklärte der Konzern. BP werde "alle legitimen Forderungen wegen Schäden und Verlusten bezahlen, die objektiv überprüft werden können und mit der Ölpest zusammenhängen".

Nach Angaben des Konzerns steigen die Kosten für den Kampf gegen die Ölkatastrophe täglich – auf eine genaue Summe will sich das Unternehmen aber nicht festlegen. Derzeit koste der Einsatz gegen den Ölteppich, der sich nach dem Sinken der Plattform Deepwater Horizon in Richtung Küste ausbreitet, etwa 6,5 Millionen Dollar (4,9 Millionen Euro) täglich. "Der Betrag steigt mit jedem Tag", sagte ein BP-Sprecher. Noch sei auch unklar, welche Kosten durch Schadenersatzforderungen auf das Unternehmen zukommen.

Dennoch gelte die Aussage von Firmenchef Tony Hayward von vergangener Woche: "Wir übernehmen die volle Verantwortung für den Ölteppich und wir werden ihn entfernen, und wenn Leute legitime Schadenersatzforderungen stellen, werden wir sie akzeptieren." Die Firma habe "eine solide Vorgehensweise festgelegt, um Ansprüche aus dem Deepwater-Horizon -Unfall zu bearbeiten", hieß es. Alle Ansprüche würden zügig bearbeitet, es sei eine Hotline eingerichtet worden, die Betroffene rund um die Uhr anrufen könnten.

Die Firma reagierte damit auf Aussagen des US-Präsidenten , der BP als Verantwortlichen genannt und Kritik am eigenen Krisenmanagement zurückgewiesen hatte. Barack Obama hatte gesagt: "Lassen Sie es mich deutlich sagen: BP ist für dieses Leck verantwortlich. BP wird die Rechnung begleichen", sagte er während seines Besuchs am Sonntag in Louisiana. Als Präsident der Vereinigten Staaten werde er alles in seiner Macht Stehende veranlassen, damit diese Krise bewältigt werde .

Auf der von BP betriebenen Bohrinsel Deepwater Horizon war es am 20. April zu einer Explosion gekommen, bei der elf Arbeiter ums Leben kamen. Zwei Tage später sank die Plattform, seither strömen täglich rund 800.000 Liter Öl in den Golf von Mexiko. Ungünstige Winde treiben den entstandenen riesigen Ölteppich auf die Küste zu, wo ein einzigartiges Ökosystem sowie die Fischerei bedroht sind. Der Golfküste der USA droht eine der größten Umweltkatastrophen.

Das Wetter erschwert die Bemühungen zur Eindämmung der Ölpest. Die Reparaturversuche mit den von BP eingesetzten Unterwasser-Robotern kamen nicht voran. Die Roboter sollen einen Mechanismus aktivieren, der eigentlich im Fall eines Unfalls das Ölleck automatisch abdichten soll, nach der Explosion aber nicht ausgelöst worden war. Mehr Hoffnung als in diese "Operation am offenen Herzen im Dunkeln" setzt BPs USA-Chef Lamar McKay mittlerweile auf eine riesige Kuppel, die zum Abdecken des Lecks gebaut werden soll. Sie könne vielleicht nächste Woche fertiggestellt werden, sagte McKay am Sonntag. Laut BP-Chef Hayward bereitet sich sein Konzern aber auch auf den "schlimmsten möglichen Fall" vor: Den Ölteppich zwei bis drei Monate lang eindämmen zu müssen.

Wegen der zu erwartenden Milliarden-Belastungen gerät BP auch an den Börsen zunehmend unter Druck. So gaben die in Frankfurt gelisteten Aktien des Konzerns zu Wochenbeginn deutlich nach . Sie brachen um bis zu zehn Prozent ein. Die Londoner Börse blieb am Montag wegen eines Feiertages geschlossen. Dort hatten die BP-Aktien bereits in den vergangenen beiden Wochen rund zwölf Prozent eingebüßt. Finanzexperten versuchten dennoch abzuwiegeln. "Der Schlag gegen die BP-Aktien scheint übertrieben", heißt es in einem Informationsbrief von Bank of America Merrill Lynch. "Die Nachrichten aus dem Golf von Mexiko sind furchtbar und könnten schlimmer werden, aber die finanziellen Folgerungen sind übertrieben."

Noch nicht absehbar ist obendrein die Rufschädigung, die mit diesem Unfall einhergeht. "Von einem Image-Standpunkt aus gesehen, ist das sehr folgenreich. Schließlich sollen die Regierungen, die die Bohrlizenzen erteilen, die Firma als verlässlichen Partner einschätzen", sagt Energieanalyst David Hart von der britischen Firma Westhouse Securities. Mit 20 Öl- und Gasfeldern im Golf von Mexiko erzielt BP einen großen Teil dieses Gewinns in der Katastrophenregion.