Das Krisenmanagement des Ölkonzerns BP läuft auf Hochtouren. Konzernchef Tony Hayward fliegt von Krisentreffen zu Krisentreffen, versichert US-Präsident Barack Obama sein volles Engagement und verspricht, für die entstandenen Schäden aufzukommen. Mit den beteiligten Unternehmen wurde eine eigene Homepage  eingerichtet, Hayward twittert die aktuellen Entwicklungen und informiert auf Facebook . Der Öl-Konzern hat es nötig.

 Wie wohl kein anderes Unternehmen kämpft der britische Konzern mit dem Image des Umwelt- und Naturzerstörers. Das Erdölgewerbe ist schließlich ein dreckiges: Leckende Pipelines, havarierte Tanker und brennende Ölplattformen bestimmen oftmals das Bild in der Öffentlichkeit. Und nun das, der GAU, der größte anzunehmende Unfall: Jeden Tag laufen im Golf von Mexiko geschätzte 800.000 Liter Rohöl aus 1500 Metern Meerestiefe ins offene Meer – ohne dass es jemand verhindern könnte.

"BP steht in den USA bereits seit fünf Jahren stark unter Druck", sagt Steffen Bukold, Erdölexperte des Hamburger Büros Energycomment. 2005 kamen etwa bei einer Explosion auf einer texanischen BP-Raffinerie 15 Menschen ums Leben, rund 170 wurden verletzt. Eine Untersuchung der US-Regierung kam damals zum Schluss, dass die Anlage in einem veralteten Zustand war und stellte "organisatorische und sicherheitstechnische Defizite auf allen Ebenen des BP Konzerns" fest. Nur ein Jahr später wurde ein großes Pipeline-Leck in Prudhoe Bay, Alaska, entdeckt, aus dem 4800 Barrel Öl flossen. Fast auf der gesamten Länge der verrosteten Ölleitung sickerte das schwarze Gold heraus. BP wurde zu einer Strafzahlung in Höhe von zwölf Millionen Dollar verurteilt.

Mit einer groß angelegten Werbestrategie sollte das Image des Konzerns in der Folge verbessert werden. Unter dem damaligen Vorstandschef John Brown verpasste sich das Unternehmen einen neuen Slogan. BP stand nun nicht mehr für "British Petroleum", sondern "Beyond Petroleum" – die Zeit nach dem Öl. Ein Sonnenrad wurde zum Firmenlogo, erneuerbare Energien sollten nun auch ins Portfolio aufgenommen werden.

Doch viel ist von der Öko-Strategie 2010 nicht mehr übrig geblieben . Erneuerbare Energien spielen kaum eine Rolle in der aktuellen Konzernpolitik. Zehn Millionen US-Dollar investiert BP jährlich in die Entwicklung von Solarzellen. Das entspricht gerade einmal 0,07 Prozent des jährlichen Gewinns. "Back to business" hat der neue Vorstandsvorsitzende Tony Hayward den Mitarbeitern bei seinem Amtsantritt 2007 verkündet.