Die Finanzminister der 27 EU-Staaten kommen zu einem kurzfristig anberaumten Krisentreffen in Brüssel zusammen. Die obersten Kassenhüter wollen angesichts der Schuldenkrise einzelner EU-Staaten im Eilverfahren ein Auffangnetz für klamme Mitgliedstaaten schaffen.

Mit dem Fonds könnten nach Griechenland auch andere hoch verschuldete Länder gerettet werden. In den vergangenen Tagen waren Spanien, Portugal und Italien an den Finanzmärkten stark unter Druck geraten. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker sagte, es sei eine globale Operation in Gang, die Währungsunion in ihren Grundfesten zu erschüttern.

Durch den Notfallfonds soll verhindert werden, dass die schwachen Euro-Staaten ins Visier von Spekulanten an den Finanzmärkten geraten. Der Sondergipfel der Euro-Staaten zu Griechenland hatte sich am Freitag im Grundsatz auf diesen neuen Hilfsmechanismus verständigt.

Für den Notfallfonds könnte die EU-Kommission zinsgünstige Kredite an den Finanzmärkten aufnehmen. Diplomaten sprachen von bis zu 70 Milliarden Euro. Die Europäer erhoffen sich davon ein starkes Signal gegen Spekulanten, bevor am Montag die Märkte öffnen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel warf ihre Bedenken über Bord und räumte ein, die Euro-Zone müsse sich mit einem Gemeinschaftsinstrument gegen Spekulanten wehren. Merkel sagte, es handele sich um eine ernste Situation. Deshalb würden die Euro-Länder weitere gemeinsame Maßnahmen beschließen. Von einer Verschärfung des EU-Stabilitätspaktes ist dagegen erstmal keine Rede mehr.

Portugal verspricht härteren Sparkurs

Angesichts der Sorge vor einer Ausbreitung der Schuldenkrise in Europa hat Portugal den Euro-Partnern versprochen, sein Haushaltsdefizit in diesem Jahr noch stärker zu bekämpfen. Ministerpräsident Jose Socrates habe am Freitagabend auf dem Euro-Sondergipfel in Brüssel angekündigt, seine sozialistische Minderheitsregierung werde noch mehr sparen und zwei große Infrastrukturprogramme auf Eis legen, sagte ein portugiesischer Regierungsmitarbeiter am Samstag.

Dadurch solle das Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf 7,3 Prozent verringert werden. Bisher war das Ziel eine Reduzierung des Defizits auf 8,3 Prozent von 9,4 Prozent im vergangenen Jahr.

Bei den Infrastrukturprojekten handelt es sich um den Bau eines neuen internationalen Flughafens in Lissabon sowie eine dort hinführende Brücke über den Fluss Tejo, wie aus den Regierungskreisen weiter verlautete. Die Opposition hat der Minderheitsregierung von Socrates bereits ihre Unterstützung beim Kampf gegen die Schuldenkrise zugesagt und wiederholt das Verschieben öffentlicher Bauprojekte gefordert, um den portugiesischen Schuldenberg schneller zu verringern.

An den internationalen Finanzmärkten liefen vergangene Woche trotz des Rettungsschirms der Euro-Länder für Griechenland die Wetten auf eine Zahlungsunfähigkeit Portugals und Spaniens, die so wie viele andere Euro-Staaten nach der Finanzkrise unter einer hohen Schuldenlast ächzen. Die Risikoaufschläge für portugiesische Anleihen im Vergleich zu deutschen Anleihen kletterten am Freitag auf einen neuen Höchststand von 374 Basispunkten.