Ursprünglich wollte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso Freitagnacht nur verkünden, wann die Eurorettung in die nächste Runde geht. Doch nach stundenlangen Verhandlungen um die Zukunft der Gemeinschaftswährung hallte der Termin lange nach. "The day after tomorrow." Ausgerechnet. Nicht das Übermorgen lässt zusammenzucken, sondern das englische Original. Ein Endzeitkrimi von Roland Emmerich trägt diesen Namen. Eine Eiszeit lähmt im Film die Welt. Jetzt soll sie an den Finanzmärkten verhindert werden.

  Griechenland ist dabei nur ein teurer Baustein. Freitagabend ging es vor allem darum, den Flächenbrand zu verhindern. Längst greift die Krise andere anfällige Volkswirtschaften an, darunter Portugal und Spanien.

Um verlorenes Vertrauen in die Zukunft des Euro zurück zu gewinnen, einigten sich die Mitgliedsstaaten auf eine beschleunigte Haushaltskonsolidierung. In einem zweiten Schritt sollen Gemeinschaftsinstrumente ergriffen werden, "um uns gegen Spekulationen zu wehren", sagte Bundeskanzlerin Merkel nach dem Treffen. Drittens würden Regulierungen, "die notwendig sind zur Begrenzung der Spekulation", beschleunigt. Konkreter wurde niemand nach Mitternacht.

Denn schon Sonntag werden die 27 EU-Finanzminister die abstrakten Begriffe konkretisieren. Jeder Tag zählt. Zu lange wurde die Eurokrise gerade von deutscher Seite kleingeredet, nun teilen alle die Einschätzung, die Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach dem Treffen auf den Punkt brachte: "Der Euro befindet sich in der schwersten Krise seit seiner Gründung." Der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, soll beim Abendessen gar von einer systemischen Krise gesprochen haben.