Frage: Herr Reilly, was ist Ihr Lieblingsauto?

Reilly: Ein Vauxhall 30/98 aus dem Jahr 1920, den ich daheim in Großbritannien habe. Er war einst einer der besten Wagen der Welt: der erste, der garantiert über 100 Meilen pro Stunde lief. Er ist wunderschön. Ich habe ihn allerdings länger nicht gesehen. Als ich nach Asien gegangen bin, habe ich ihn zu einer Spezialwerkstatt gebracht, um den Motor überholen zu lassen. Neun Jahre sind seitdem vergangen, und ich habe zu viel Geld dafür ausgegeben. Ich freue mich aber sehr darauf, ihn in ein paar Wochen abzuholen.

Frage: Werden elektrische Autos jemals solche Emotionen auslösen?

Reilly: Auch elektrische Autos werden für Freiheit stehen. Sie werden sicher nicht alle gleich aussehen, nur weil sie elektrisch betrieben werden. Es wird nach wie vor um Emotionen und Praxistauglichkeit gehen. Der andere Antrieb ändert nichts an der Idee des Autos. Sicher wird es Fahrzeuge geben, die in erster Linie einen hohen Gebrauchsnutzen haben, in Städten zum Beispiel. Aber das ist ja heute auch schon so. 

Frage: Was erwarten Sie von dem Elektroautogipfel bei der Bundeskanzlerin?

Reilly: Es ist ein gutes Signal, dass so ein Gipfel stattfindet. Die Elektrifizierung des Autos schreitet schneller voran als von vielen erwartet. Europa läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Die Regierungen asiatischer Länder, insbesondere Chinas, geben Milliarden für Forschung und Entwicklung aus.

Frage: Das sollte auch die Bundesregierung tun?

Reilly: Die Regierung sollte Anreize für Investitionen schaffen. Mittel für Forschung und Entwicklung sind sicher notwendig. Aber das allein wird nicht reichen. Es geht doch um drei Dinge: Autos, Infrastruktur und Nachfrage. Für die Autos sorgen wir, die Infrastruktur hängt dann von politischen Vorgaben ab: Will man zunächst große Städte ausrüsten? Will man, dass auch lange Strecken elektrisch gefahren werden können? Wo will man Ladestationen haben? Und nachdem die Regierungen die Elektrifizierung wollen, wäre es sinnvoll, die Nachfrage anfangs zu stimulieren, da revolutionäre neue Technologien zu Beginn immer teuer sind. Viele Regierungen in Europa wollen die Käufer von elektrischen Autos unterstützen. Es wäre ermutigend, wenn auch die Bundesregierung diesen Weg beschreitet. Andere Länder sprechen von 5000 oder 6000 Euro als direkter Kaufunterstützung.

Frage: Das sind enorme Kosten.

Reilly: Wir stehen am Anfang einer Entwicklung. Noch ist die Technologie teuer, deswegen ist jetzt Hilfe gefragt. Es gäbe aber auch andere Möglichkeiten, nämlich die Kosten der Fahrzeugnutzung verringern. Vom Gratisparkplatz bis zur Steuerbefreiung lässt sich eine Menge tun, um das Elektroauto voranzubringen. Aufgrund des enormen Fahrzeugbestandes wären mögliche Steuerausfälle dabei zu vernachlässigen. Der Staat könnte auch mit gutem Beispiel vorangehen, seine Fahrzeugflotten elektrifizieren und damit deutlich machen, dass er voll hinter dieser Technologie steht.

Frage: Das geht nur mit massiven Subventionen?

Reilly: Nicht nur. Die Entwicklung von gewissen Standards wäre schon eine große Hilfe. Es wäre nicht sinnvoll, wenn alle Hersteller unterschiedliche Stecker und Ladesysteme entwickeln. Das gilt auch für die Fahrzeugwartung und für Sicherheitsanforderungen, zum Beispiel Crashtests. Diese Standardisierung sollte im Übrigen nicht auf Deutschland beschränkt sein, wir brauchen eine europaweite Lösung.