Die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Notenbanken der Euro-Zone sind unter dem Eindruck der schweren Krise des Gemeinschaftsgeldes erstmals seit Gründung der Währungsunion zum Ankauf von Staatsanleihen bereit. Wie die EZB in der Nacht zum Montag nach der Verabschiedung eines 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirms der Euro-Länder mitteilte, wird sie am öffentlichen und privaten Anleihemarkt in großem Stil aktiv werden.

Über den Umfang der Interventionen, zu denen noch umfangreiche Stützungsmaßnahmen für den Geldmarkt und das Bankensystem kommen, werde der EZB-Rat noch entscheiden, hieß es weiter.

Die Notenbank gibt damit ihren Widerstand gegen den Ankauf von Staatsanleihen der Euroländer auf. Gemäß der Bestimmungen des EU-Vertrages kann sie nur am Sekundärmarkt kaufen und nicht direkt bei den Regierungen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die G-7-Finanzminister begrüßten die Kehrtwende der Frankfurter Währungshüter.

Mit dem Ankauf von Staatstiteln finanziert die EZB de facto einen Teil der Schulden unter denen Griechenland, aber auch andere Problemländer der Euro-Zone ächzen. Die Notenbanker machten klar, dass sie mit Gegengeschäften, die nicht näher spezifiziert wurden, dafür Sorge tragen wollen, dass sich durch das beschlossene Ankaufprogramm nichts am zinspolitischen Kurs ändert.

Da ein Eingriff dieser Art in vielen Euroländern und vor allem in Deutschland wegen der daraus resultierenden Inflationsrisiken höchst umstritten ist, hat sich die EZB lange dagegen gewehrt. Am Finanzmarkt war in den vergangenen Tagen massiv auf einen solchen Schritt der EZB spekuliert worden.

Darüber hinaus stützt die EZB den zuletzt wieder mit großen Problemen kämpfenden Geldmarkt und das Bankensystem in der Euro-Zone. Schon in den nächsten Tagen will sie ein sechs Monate lang laufendes und an den künftigen Leitzins gekoppeltes Repo-Geschäft wieder einführen. Zudem sollen Dreimonatstender für genügend Liquidität am Interbankenmarkt sorgen und ein Austrocknen der Finanzströme zwischen den Banken verhindern.

Die EZB geht damit in ihrem Ausstieg aus den Maßnahmen gegen die Finanzkrise wieder einen Schritt zurück. Sie hatte damals zahlreiche Geldmarktoperationen mit bis zu einem Jahr Laufzeit eingeführt, um den Geldmarkt zu stützen. Einige dieser sogenannten Tender wurden in jüngster Zeit bereits nicht mehr aufgelegt.

Um die Versorgung des europäischen Bankensystems mit Fremdwährungen sicherzustellen, lassen die EZB und andere Notenbanken zusätzlich mehrere sogenannte Swaplines wieder aufleben. Dabei handelt es sich um Fremdwährungsgeschäfte unter den Zentralbanken, die sicherstellen sollen, dass zum Beispiel die Banken in der Euro-Zone leicht an Dollar kommen.

Hier hatte es zuletzt ebenfalls Probleme gegeben. An der konzertierten Aktion sind neben der EZB die Federal Reserve in Washington , die Bank of England sowie die Notenbanken der Schweiz und Kanadas beteiligt. Möglicherweise tritt auch noch die japanische Zentralbank dem Bündnis der Währungshüter bei.