Während EU und Internationaler Währungsfonds ihre Kredithilfe auf den Weg bringen, bekommt Griechenland weitere Unterstützung von der Europäischen Zentralbank. Die EZB kassierte überraschend eine Regel, nach der sie als Sicherheit für Ausleihungen an Banken der Euro-Zone nur Staatsanleihen mit einer befriedigenden Bonitätsbewertung annimmt.

Die Mindestanforderung für bereits gewährte und künftige griechische Staatsanleihen werde damit bis auf Weiteres ausgesetzt, teilte die EZB. Damit stellen weitere Rating-Herabstufungen griechischer Schuldtitel künftig kein Problem mehr dar, weil die Banken die Staatsanleihen weiterhin als Sicherheit einreichen können. So können sich die Banken des hoch verschuldeten Landes bei der EZB weiterhin problemlos refinanzieren.

Die EZB begründete ihren Schritt mit dem harten Sparprogramm , mit dem die Regierung in Athen ihren Haushalt in den Griff bekommen will. Dort hat die Regierung ein ambitioniertes Sparprogramm beschlossen, Gehälter und Renten sinken, Steuern werden erhöht.

Analysten sprachen dagegen vom inoffiziellen Beitrag der EZB zum Notpaket für Griechenland.

Banken können bei der EZB eigentlich nur dann Geld abrufen, wenn sie Staatsanleihen als Sicherheit hinterlegen, die von mindestens einer Ratingagentur eine gute A-Note erhalten haben. Wegen der Schuldenkrise Griechenlands wurde diese Regel aber bereits deutlich aufgeweicht.

Allerdings kam Griechenland in der vergangenen Woche immer stärker unter Druck, weil griechische Papiere von der Ratingagentur S&P auf "Ramschstatus" heruntergestuft wurden , weitere Herbstufungen drohen.

Anleiheexperte Kornelius Purps von der italienischen Großbank Unicredit rechnet damit, dass die neuen Regeln der EZB deshalb einige Jahre in Kraft bleiben müssen. "Ich weiß zwar nicht, ob das zu diesem Zeitpunkt nötig war, aber es nimmt in jedem Fall etwas Druck von der Regierung in Athen", sagte er. Es zeige sich damit erneut, dass die EZB "flexibel und pragmatisch an die Sache herangeht". Der Überraschungscoup der Notenbanker sei "deren Beitrag zum Stützungspaket", sagte Purps.

Chefvolkswirt Thorsten Polleit von Barclays Capital sprach von einer "Notaktion" und einer "mutigen Entscheidung". "Die EZB hat eines ihrer hehren Prinzipien über Bord geworfen. Das zeigt, dass die Lage sehr, sehr ernst ist."

EU-Kommission, Internationaler Währungsfonds und Zentralbank hatten sich am Wochenende mit der Athener Regierung auf Milliardenhilfen und zugleich drakonische Sparmaßnahmen geeinigt. In den kommenden drei Jahren bekommt das Land 110 Milliarden Euro.

Deutschland trägt einen Anteil von gut 22 Milliarden Euro. Bundestag und Bundesrat sollen in dieser Woche über das deutsche Hilfsgesetz abstimmen , durch das die erste Tranche von 8,4 Milliarden Euro auf den Weg kommen soll. Die Opposition nutzt die Gelegenheit, weitere Forderungen aufzumachen.