Frage: Und was ist mit den USA?

Ferguson: Wann sich die Märkte gegen Amerika richten, ist schwer vorauszusagen. Die finanzielle Situation der USA ist unhaltbar. Im Jahr 2040 wird das Land seine gesamten Steuereinnahmen für den Schuldendienst einsetzen müssen. Das ist unmöglich. Aber im Moment sehen die Investoren die USA sogar noch als sicheren Hafen. Sie kaufen US-Treasuries und stärken den Dollar. Das erzeugt die Illusion, dass Amerika stark ist.

Frage: Gibt es keinen Ausweg?

Ferguson: Wenn man durch Wachstum nicht aus diesem Dilemma herauskommen kann, gibt es nur drei Möglichkeiten: entweder Inflation oder eine Staatspleite oder ein Bail out . Aber wer ist stark genug, um die USA vor dem Ruin zu bewahren? Die Schuldenkrise kann der Auslöser für den Zusammenbruch der Supermacht Amerika sein.

Frage: Wenn auch der Dollar wackelt, welche Währung wird zum Stabilitätsanker?

Ferguson: Ich befürchte, dass wir uns mit einer Welt abfinden müssen, in der Papierwährungen allgemein ihre Glaubwürdigkeit verlieren und wir wieder mehr auf Rohstoffe als Währungsstandards zurückgreifen müssen.

Frage: Zurück zum Euro. Könnte eine Umschuldung die Krise lindern?

Ferguson: Das kommt darauf an, welchen Effekt eine Umschuldung auf die Banken hätte. Ein Forderungsverzicht der Gläubiger würde auch bei den anderen Schuldnerstaaten zu Umschuldungen führen. Ein solcher Haircut ist sicher gerechtfertigt. Aber bevor man das macht, sollte man sicher sein, welche Wirkungen das auf die Bilanzen der Banken hat.

Frage: Wie wird es jetzt mit dem Euro weitergehen?

Ferguson: Der Euro wird über kurz oder lang schwächer werden. Bereits jetzt hat er gegenüber dem Dollar stark an Wert verloren. Das wird der europäischen Wirtschaft zunächst nützen, denn die Exporte werden durch eine schwache Währung angekurbelt. Es kann sogar sein, dass der Euro dadurch ein neues Gleichgewicht findet. Vielleicht dort, wo er einmal gestartet ist - unterhalb der Parität zum Dollar. Mag sein, dass das der Platz ist, wo der Euro hingehört.

Frage: Der Euro wird also zu einer Weichwährung?

Ferguson: Ja, und das ist die Stunde der Wahrheit für EZB-Chef Trichet, der bislang als Inflationsfalke auftritt. Die EZB hat bereits ihre Anforderungen für Sicherheiten bei Notenbankkrediten gelockert. Nun kauft sie Staatsanleihen auf. Damit hat sie den Weg zu einer schwachen Währung eingeschlagen. Vor die Frage gestellt, ob er einen Fall wie Lehman Brothers in Europa oder lieber einen schwachen Euro hinnehmen will, hat sich Trichet für einen schwachen Euro entschieden.